Das Wetter am vergangenen Samstag lud herzlich wenig ein zu einem Spaziergang oder anderen derzeit erlaubten Aktivitäten. Ein dunkler grauer Tag mit jeder Menge Regen. Bestes Wetter somit, sich gemütlich vor den Fernseher bzw. Monitor zu fletzen, um sich das Streaming-Konzert der Hamburger Band 5TH AVENUE anzuschauen, denn genau dieses war für heute Abend 21:00 Uhr angesetzt.

Eigentlich sollte heute das legendäre Jahresabschlusskonzert der Hamburger Band in ihrem „Wohnzimmer“, dem KNUST Hamburg, stattfinden. Die Lockdown-Light-Zeit machte allerdings dem LIVE-Event einen Strich durch die Rechnung und Band und Location überlegten somit, diesen Termin anders zu gestalten und sich ins Wohnzimmer ihrer Fans zu streamen. Gesagt – getan ! Das Ticket zu einem Preis von 16,75 € beinhaltete zudem ein Sixpack Bier, welches man sich vor dem Konzert gegen Vorlage des Tickets um 17:30 Uhr abholen konnte.

Um 20:30 Uhr gab es dann noch ein 20-minütiges Q & A und um 21:00 Uhr ging es „on stage“ mit dem Sixpack 5th Avenue los. Neben den altbekannten Bandmitgliedern Oliver Peters (alias „Knobel“), Adrian Marx, Marc Baumgart und Ansas Strehlow, ist nun auch wieder Matthias Lange fester Bestandteil der Band geworden. Da Drummer Moyano nicht vor Ort sein konnte, wurde er am heutigen Abend vertreten durch Hajo Schüler.

Man fühlte sich gleich „wie zu Hause“, denn im Knust gibt es immer die schönsten und heimeligsten Konzerte – finde ich zumindest. Noch schnell ein Saint Ginger eingegossen und gemütlich im Sessel zurückgelehnt. Ich war bereit und wie ich sah, war es die Band auch.

Los ging es mit einem ersten neuen Song, nämlich „Someday“. Diesen hatte ich schon Ende November 2019 live im Knust hören können und ihn seinerzeit schon echt stark gefunden. Es folgten drei weitere neue Nummern, die ebenfalls auf das neue Album kommen sollen. Geplant war die Fertigstellung des Nachfolgers von „Last Greetings From The Petting Zoo“ in diesem Jahr. Dank Covid19 mangelte es zum einen an Studioterminen und natürlich auch an Einnahmen. Von daher liegen die Aufnahmen erst einmal brach. „Corrupted, corroded“, „Machine Gun“ und „Diamond Ring“ rockten auf jeden Fall und sind ein guter Vorgeschmack auf das hoffentlich im kommenden Jahr dann erscheinende Album.

Weiter ging es mit bekannten Songs, die auch vor den Bildschirmen zum Mitsingen einluden. Da gab es u.a. meine Lieblingsballade „Ocean“, das rockende „Remedy“, die „Rough Affair, den „Postman“ oder aber auch den Ramones-Klassiker „Pet Sematary“.

Frontmann Knobel plauschte zwischen den Songs ein wenig mit dem virtuellen Publikum – für ihn auch völlig ungewohnt diese Situation via Stream. Er verwies noch einmal auf die gute Sache, nämlich die Spendenaktion zugunsten des Kinderhospiz Sternenbrücke und appellierte an die Zuschauer, Händler vor Ort zu unterstützen, beispielsweise Gutscheine zu kaufen und vor allem auch die Clublandschaft zu unterstützen, denn ohne Bühnen gibt es sonst keine Konzerte mehr. Es gibt so viel, das wir alle zusammen tun könnten, um die Eventbranche zu unterstützen; sei es durch Einkauf von Merch-Artikeln, Konzertgutscheinen, Member-Cards oder aber Streaming-Konzerten. Mich persönlich, lieber Knobel, hast du mit deinen an das Publikum gerichteten Gedanken echt berührt. So hieß es da: “Wir müssen alle zusammenhalten, denn ich glaube diese Krise ist eine Bewährungsprobe, nicht nur für unsere Demokratie, sondern auch für die Solidarität unserer Gesellschaft”. Tolle Worte !

Wie man es von Hamburgs bester Liveband gewohnt ist, vergingen die gut zwei Stunden wie im Fluge mit der bekannten Leichtigkeit und einer wunderbaren Performance sechs attraktiver und gut gelaunter Musiker. Da stehen nun gut und gerne 300 Jahre vor einem auf der Bühne, die 30 Jahre Bühnenpräsenz inne haben und zusammenaddiert gut und gerne 320 Jahre Musikerfahrung mit sich bringen. Diese spielerische Lässigkeit bzw. Sicherheit in ihrem Tun, das gute und auch spaßige Zusammenspiel innerhalb der Band, ist das, was mich an 5th Avenue immer wieder fasziniert. Dass die Hamburger noch so viel Bock haben, weiter zu rocken, spiegelt sich deutlich auf der Bühne wieder. Bleibt uns bitte noch viele viele Jahre so in Topform erhalten! Das Konzert endete dann in bekannter Manier mit “Satellite” und das virtuelle Publikum wurde von Oliver Peters noch einmal aufgefordert, laut mitzusingen – haben wir natürlich auch alle gemacht.

Nunja, was bleibt mir selbst abschließend zu diesem virtuellen Konzert zu sagen? Nur so viel: Ich bin nicht wirklich ein Freund von Streaming-Konzerten und will mich mit dieser Art von Konzerten auch gar nicht langfristig anfreunden. Dennoch habe ich dieses Streaming-Konzert von 5th Avenue heute Abend sehr genossen und keine Sekunde bereut. Es tat gut, diese lang nicht mehr live gesehenen großartigen Musiker einmal wiederzusehen (wenn auch nur virtuell) und die Seele für eine kleine Weile mit guter Rockmusik berieseln zu lassen. Das allein hat sich gelohnt. Bei der Gelegenheit habe ich noch geshopped und mir das aktuelle Album der Band zugelegt (das fehlte noch in meinem Musik-Regal) und natürlich auch für die Sternenbrücke gespendet. Falls Ihr auch noch etwas für das Kinderhospiz spenden möchtet, hier der entsprechende Link > https://sternenbruecke.de/jetzt-spenden/index

Dennoch muss ich abschließend auch sagen: Ich freue ich mich endlich wieder auf Live-Konzerte von 5th Avenue – möge das kommende Jahr uns solche wieder bescheren ! Es liegt an uns allen – reißt Euch bitte ein wenig zusammen, bleibt mehr zu Hause, dann können wir alle 2021 wieder gemeinsam die Clubs füllen und Bühnen beleben. All dies fehlt – es ist einfach Seelenbalsam.

Setlist: Someday / Corrupted, corroded / Machine Gun / Diamond Ring / Remedy / No reason / Ocean / Civilized in Harmony / All the leaves / Easier said than done / Rough Affair / Postman / Pet Sematary / Satellite

 

Berichterstattung: Stefanie Preuß (Herausgeberin / Chefreakteurin / Fotografin  – NIC – NordMensch in Concerts)