Unsere Chefredakteurin Stefanie traf sich vor ein paar Tagen mit dem Frontmann der Hamburger Band 5TH AVENUE. Eine Band, die als DIE Live-Band Hamburgs beschrieben wird und welche in diesem Jahr ein großes Jubiläum feiert. Es gab somit viel zu erzählen:

Hallo Oliver, wir beide kennen uns ja auch schon eine Weile, dennoch kommen wir zwei erst jetzt nach ein paar Jahren wieder einmal gemütlich zusammen. Es ist ja einiges mit 5TH AVENUE in den letzten Jahren geschehen, neue Besetzung, ein Album und viele viele Live-Auftritte. Grund unseres Treffens ist allerdings natürlich ein anderer: Ihr feiert in diesem Jahr Euer 30jähriges Jubiläum.

Aber fangen wir doch gleich einmal an, ein wenig über 5TH AVENUE zu plaudern.

Zuerst einmal: Sag mal, wie seid Ihr eigentlich auf den Bandnamen gekommen? Hat irgendeiner von Euch eine besondere Verbindung zur wohl weltweit berühmtesten Straße oder wie kam man auf diesen Namen?

Wir konnten uns damals einfach nicht auf einen Bandnamen einigen, Simon wollte die Band „Harlequins Destiny“ nennen, ich hatte „Danish Mirror“ favorisiert. Eines Abends haben wir nach der Probe in einer Cocktail Bar in Harburg gesessen und ich habe in die Karte geschaut und fand den Namen Fifth Avenue spannend, Simon meinte dann, dass die Schreibweise mit dem 5th besser aussehen würde. Das war eher der kleinste Nenner, als die große Begeisterung. Im Nachhinein aber ein absoluter Glücksgriff, die anderen Namen waren echt bescheuert.

Du bist ja zusammen mit Adrian Marx, der bei Euch den Bass zupft, noch das einzige Gründungsmitglied der Band. Es gab viele Neubesetzungen, teils auch eine komplette Auszeit der Band. Im Jahre 2012 dann das Comeback. Ich habe so das Gefühl, dass Ihr Euch jetzt gerade aktuell in der stärksten Besetzung gefunden habt. Siehst Du das genauso und wenn ja, woran mag das liegen?

Es ist schwer, Leute zu finden, die sich mit Haut und Haaren einen einzigen Projekt verschreiben. Die Generation von Eddy und mir ist ja schon über dreißig (*Hüstel*) da sitzen viele lieber gerne auf dem Sofa anstatt viel zu Proben und fast jedes Wochenende unterwegs zu sein. Bei den Jüngeren ist es immer das Problem, dass sie sich nicht auf eine Band festlegen wollen, sondern lieber mehrere Projekte gleichzeitig bedienen wollen, was aber bei einer Band wie 5th Avenue zwangsläufig nicht funktionieren kann. Dazu kommt, das ich 2012 überhaupt keine Stimme mehr hatte, die ist tatsächlich erst wieder seit zwei Jahren da. Inzwischen haben wir eine funktionierende Achse, so dass wir auch einen Personalwechsel ohne Qualitätsverlust überstehen können. Wir haben uns in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt, weil wir einfach Bock haben. Diesen Sommer haben uns mit Kyle Hughes (Bumblefoot, Marco Mendoza) und natürlich Moyano el Buffallo, zwei Musiker mit internationalem Renommee unterstützt, was natürlich auch den Stellenwert der Band widerspiegelt und mit denen wir uns auch weiterentwickeln können.

In diesem Jahr feierte auch das WACKEN OPEN AIR sein 30jähriges Jubiläum. Euch als Band verbindet ja ungemein viel mit diesem Festival. Erzähl doch einmal unseren Lesern, die Euch vielleicht auch noch nicht kennen, was dieses besondere Band zwischen diesem großen Festival und Euch ist.

Nun, uns verbindet, dass wir von Anfang an dabei waren und im zweiten Jahr sogar Headliner. Dazu kam, das wir eine sehr freundschaftliche Beziehung zu Thomas und Holger hatten, die uns damals sehr gefördert haben. Wacken war neben Hamburg unser zweites Standbein. Wir sehen uns als Bestandteil der Wacken Historie und auch als Baustein der Erfolgsgeschichte, schließlich kamen wegen uns damals viele Hamburger das erste mal nach Wacken. Es ist für mich immer noch etwas Besonderes in die „Kuhle“ zu gehen. Man wusste von Anfang an, hier entsteht etwas. Holger und Thomas haben immer groß gedacht.

2015 ward Ihr zusammen mit den HOOTERS auf Tour, aber auch in der Vergangenheit, so Anfang der 90er Jahre, waren es Bands wie KATRINA AND THE WAVES, SAXON oder aber D-A-D mit denen Ihr unterwegs ward. Mit welcher Band würdet Ihr zu gerne noch einmal touren?

1995 waren wir ja auch mit GUN auf Tour, zu jeder Band gibt es eine tolle Geschichte und ich würde jederzeit gerne noch einmal mit jeder dieser Bands zusammenspielen. Unvergesslich bleiben für mich die Backstage Parties mit der LITTLE RIVER BAND und GUN, meine Fresse konnten die saufen…Da haben die für uns teilweise die Hotelbar morgens um vier aufgemacht, nachdem man uns aus der Halle rausgeworfen hatte. Lustig war es auch mit den HOOTERS, wobei die meisten von denen abstinent leben. Naja, dafür haben wir dann eben etwas mehr getrunken.

 

Mein liebster Song Eures aktuellen Albums „Last Greetings from the Petting Zoo“, welches im Jahre 2016 veröffentlicht wurde, ist ja „Mrs. Strong“. Dieser Song wurde zusammen mit Chris Harms von LORD OF THE LOST bespielt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Chris spielt das Cello bei diesem Song (aber nur auf der Single Version des Songs). Das kam dadurch, dass er zusammen mit Eike Freese das Chameleon Studio besitzt, wo wir das Album aufgenommen haben. Chris ist ein beeindruckender Multi-Instrumentalist und Musiker, einfach ein Hammer Typ. Wir hatten ihn einfach gefragt, ob er Lust dazu hätte und er hat dann dieses fette Cello-Brett mal eben eingespielt.

Ich meine mich zu erinnern, dass Du immer der Lyrik-Part bei 5TH AVENUE warst. Ist das immer noch so, dass die Texte aus Deiner Feder fließen oder habt Ihr da mittlerweile auch eine andere Art und Weise der Songschreiberei gewählt. Wie läuft das bei Euch mit der Komposition von Songs? Hast Du den Text und gehst zu Deinen Bandkollegen und sagst: „Hey Jungs, macht mir die Musik dazu“? Oder ist da erst eine Melodie, die dann später einen Text bekommt?

Nun, das ist wirklich unterschiedlich, Songwriting ist etwas Organisches. Früher kam Simon mit einem Song und auch schon Fragmenten einer Gesangsmelodie und wir haben dann jeder unsere Parts ausgearbeitet. Das heißt ich die Vocalline und die Texte. Heute arbeiten wir mehr als Band, zum Beispiel kommt Marc mit einem Riff und wir jammen dann darüber. Es ist nicht mehr so starr wie früher, wir sind aber auch mehr gefragt, um unseren kreativen Input zu geben. Bei „Easier said than done” hatte ich die Gesangsmelodie, den Text und das Riff gleichzeitig, trotzdem wäre der Song nie etwas geworden, wenn die anderen nicht mitgewirkt hätten. So hat jeder Song quasi seine eigene Entstehungsgeschichte.

Zu Ohren gekommen ist mir auch, dass Ihr derzeit schon an einem weiteren Album arbeitet. Wann können wir bzw. Eure Fans mit dem Nachfolger von „Last Greetings from the Petting Zoo“ rechnen?

Ja, wir haben jetzt schon ein paar gute Songs zusammen, die wir teilweise ja auch schon live spielen. 2020 wird es definitiv wieder ins Studio gehen. Wir wissen auch schon, dass wir das Album wieder live einspielen werden und dass wir es wieder mit Eike Freese aufnehmen wollen. Ob das Album dann noch 2020 erscheint, müssen wir dann sehen.

Songs von 5TH AVENUE sind ja oft sehr gefühlvoll, viele Balladen. Verrate doch einmal, wird das auf dem neuen Album so bleiben oder nehmt Ihr ein wenig mehr die härtere Rock ´n Roll Fahrt auf?

Die Songs sind anders, haben aber definitiv die 5th Avenue-DNA in sich. Ich glaube das Album wird einen Zacken härter und die Songs zwangsläufig etwas moderner. Eine richtige Ballade haben wir derzeit nicht, aber wer weiß.

Was meinst Du persönlich: Was macht 5TH AVENUE aus? Wärst Du Veranstalter, warum sollte man diese Band buchen?

Ich glaube jeder, der die Band schon einmal live gesehen hat kennt die Antwort (zwinkert). 

Und last but not least, wie stellst Du Dir oder wie stellt Ihr Euch als Band Euren weiteren Weg vor? Was wünscht Ihr Euch selbst für die kommenden Jahre? Habt Ihr beispielsweise Festivals, wo Ihr unbedingt noch einmal gerne auftreten möchtet – also neben dem Wacken Open Air. Es gibt ja mittlerweile so viele Festivals – aber welches wäre für Euch als Band so das I-Tüpfelchen?

Das kommt immer auf das Line-Up an. Es gibt viele kleine und mittlere Festivals, die mit unheimlich viel Herzblut gemacht sind, zum Beispiel „Rock das Ding“ oder „Rock-Bi“ , da fühlt man sich als Band wirklich wertgeschätzt und ist nicht nur eine von vielen. Es sind oftmals die Personen, die hinter so einem Festival stehen. Ich spiele zum Beispiel unheimlich gerne auf Festivals, wo Sabrina und Kristin von Seaside die Bandbetreuung machen, denn dann weiß man, dass man als Band gut aufgehoben ist. Auch wenn plötzlich eine Flasche Jack Daniels verschwindet und man unbedingt noch eine neue braucht (lach). Aber auch die Veranstalter, die so ein Festival mit unheimlich viel persönlichen Einsatz machen, die machen für mich häufig das Besondere aus. Ergo möchte ich auf Festivals spielen, wo wir viele nette Leute treffen, die immer ein kaltes Bier für uns im Kühlschrank haben und wo die Leute uns sehen wollen.

Dann danke ich Dir abschließend, dass Du Dir für mich und unser Magazine Zeit genommen hast.

Gerne mache ich an dieser Stelle noch einmal aufmerksam auf Eure Jubiläumsfeier im Knust Hamburg am 29.11.2019. Ich bin mir sicher, das wird eine tolle Jubiläumssause. Heimspiel sozusagen und Party garantiert. Viele großartige Songs zum Mitsingen und gerade das ist es, wie ich meine, was diese Band ausmacht – Songs zum Mitsingen, die einfach im Kopf und im Ohr bleiben. 

Wir von NIC – NordMensch in Concerts – wünschen Euch noch ganz ganz viele weitere tolle Jahre voller Musik und Spaß und auf das einige Eurer Wünsche in Erfüllung gehen. Prost 5TH AVENUE ! Die Tickets zur Jubiläumsfeier im KNUST Hamburg bekommt hier unter diesem Link > TICKETS 5TH AVENUE 29. NOVEMBER 2019 HAMBURG