Bis kurz vor Weihnachten 2019 war Udo Dirkschneider auf großer Welt-Tournee. Nun ist Zeit und Ruhe für Nebenprojekte der Bandmitglieder. Im März steht beispielsweise das Release des ersten Solo-Albums von Gitarrist Fabian Dee Dammers an. Dies zum Anlass genommen, nutzten wir die die Chance zu einem kurzen Interview:

Hallo Fabian. Erst einmal vielen Dank, das Du Dir die Zeit genommen hast, für unser Magazin ein paar Fragen zu beantworten. Mir fällt so unwahrscheinlich viel ein, was ich fragen möchte. Deshalb erst einmal zum wichtigsten, Deiner ersten Solo-CD „Bubbly Joyride To Utopia“.

Fabian: Hi Norbert, sehr gerne! Los geht’s.

Dein Soloalbum wurde durch Crowdfunding finanziert. In welchem Zeitraum konntest Du die benötigte Summe dadurch aufbringen?

Fabian: Die Crowdfunding Kampagne für „Bubbly Joyride to Utopia“ lief insgesamt 6 Wochen lang und war nach bereits knapp 4 Wochen erfolgreich. Ich war zu diesem Zeitpunkt mit U.D.O. in der Ukraine auf Tour und wir haben abends dann alle noch gemeinsam gefeiert.

Welcher Verlag wird die CD verlegen?

Fabian: Ich habe schon einige Angebote auf dem Tisch liegen, aber ich möchte dieses Album vorerst ohne Label/Verlag veröffentlichen. Selbstverständlich wird das Album auf allen Plattformen wie z.B. Spotify erscheinen. Die physische CD gibt es exklusiv in meinem Webshop https://deedammers.com/shop/.

Das Album wird an Deinem 28. Geburtstag erscheinen. Zufall oder mit einem bestimmten Grund?

Fabian: Das Datum musste ich ein bisschen später ansetzen, als ich das ursprünglich geplant hatte. Ich wollte es aber auch unbedingt vor der nächste Tour mit U.D.O. veröffentlichen. Wir kamen dann relativ schnell auf Ende März, so dass ich auch meinen Geburtstag als Veröffentlichungsdatum wählen konnte.

Wenn man Dich kennt, erwartet man eigentlich eine fetzige Metal-Scheibe. Gemacht hast Du ein instrumentales Projekt, das hervorragend ohne Gesang auskommt. Damit stellst Du meiner Meinung nach nicht nur Dein hervorragendes Können unter Beweis, hebst Dich auch mit der CD von anderen ab. Wie kam es zu der Idee gerade solch ein Album zu machen, denn richtig gute Sänger und Sängerinnen gibt es in Deinem Bekanntenkreis ja zuhauf?

Fabian: Wow, vielen lieben Dank! Wenn Du eine Platte machst heißt es oft: „Das muss kommerzieller“ oder „Wir wollen Zielgruppe X erreichen“. Für dieses Projekt wollte ich mich einfach mal total frei von solchen Dingen machen und mich einfach nur mit einer Frage auseinandersetzen: „Wie klingt es eigentlich, wenn ich mich jetzt in ein Auto setze und nach Utopien fahre?!“. Die Idee auf Gesang zu verzichten, fand ich dabei total interessant, da der Zuhörer nur den Titel des Tracks liest und den Rest dann seiner Fantasie überlassen muss. Im besten Fall legst Du die CD ein, setzt Dich gemütlich hin, schließt die Augen und imaginierst einen grandiosen Blockbuster parallel zu dem was Du hörst!

Mal etwas härter wie bei „Last Day in Paradise“ und dann genau das Gegenteil mit „Floor 13“ bzw. die Idee mit dem jazzigen Epilog „Exit“. Was gab den Ausschlag, so unterschiedliche Songs zu spielen?

Fabian: Für mich persönlich gab es schon immer nur zwei Arten von Musik: Musik die ich mag und Musik die ich nicht mag. Menschen kategorisieren immer alles in diverse Genre – was auch durchaus sinnvoll sein kann bei der Vielzahl an Musik, welche es heutzutage gibt, aber auch hier finde ich es spannend Musik grenzenlos zu verbinden und über die Genregrenzen hinauszublicken. Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass Du mich nicht gefragt hast in welches Genre ich das Album stecken würde. Das wäre dann so etwas wie „Instrumental Rock/Funk/Country/Fusion/Diverse“, oder „Instrumental Gulasch“ – haha!

Wie viele Anteile an der Scheibe haben deine Mitstreiter Leon Dombrowski am Bass und Robert Söhngen am Schlagzeug? Wenn man sich Ihre Profile anschaut, sind ihre Vorlieben scheinbar genau für diese CD gemacht.

Fabian: Ich bin super glücklich, dass ich diese beiden großartigen Musiker für mein Album gewinnen konnte. Der Workflow sah ungefähr so aus: Ich habe die Stücke komponiert und grobe Bass & Drum-Vorschläge gemacht. Anschließend habe ich dann die Stücke an Robert & Leon geschickt mit exakten Wortlaut „macht euer Ding, ihr habt alle Freiheiten“ und ich hätte nicht glücklicher mit dem Ergebnis sein können! Robert und Leon grooven einfach tierisch und es macht total viel Spaß die Gitarre darüber zu spielen. Ich hatte noch kurzfristig zwei Gastmusiker für das Album eingeladen: Phil Schwerhoff (Piano) und Melissa Tendick (Violine).  Mir war er wichtig, dass die Instrumente von Künstlern eingespielt werden – heutzutage kann man ja auch alle Instrumente programmieren, aber ich wollte unbedingt echte Performances auf dem Album festhalten, die lebendig sind.

 

Du bist mit Deinen 27 Lenzen gerade von einer Welttour mit Udo Dirkschneider zurück. Wie kam es dazu, Stefan Kaufmann/Bill Hudson bei U.D.O. zu ersetzen?

Fabian: Das Ganze hat im April 2018 angefangen: Ich war noch mit Dirty D´Sire auf Tour und erhielt die E-Mail „Hier sind 5 Songs, schicke uns mal ein Video davon, wie Du die spielst“. Ein guter Freund, Michael Müller, von Jaded Heart war so lieb, mich mit dem Management der Band in Verbindung zu setzen. Ich kam dann nachts von der Tour wieder Heim, habe drei Stunden geschlafen, mir eine Coffein-Überdosis in Form von Cola Zero gegeben und die ersten Stücke rausgeschrieben und anschließend eingespielt. Ein paar Wochen danach wurde ich dann zu einer Audition in Pulheim eingeladen, wo die Band zurzeit für ein Konzert mit den Musikkorps der Bundeswehr probte. Wir haben dann ein paar Songs zusammen gespielt – da war Fitty noch am Bass – und anschließend viel gequatscht. Ein paar Monate später erhielt ich dann den Anruf von Udo, dass die Russland Tour im Oktober los geht.

Ich durfte Udo noch nicht kennenlernen. Ist er  tatsächlich so charismatisch und extrovertiert, wie man es ihm nachsagt?

Fabian: Was ich an Udo am meisten schätze ist seine direkte, offene und ehrliche Art. Wir albern total viel herum, vor, während und nach den Shows. Die ganze Atmosphäre innerhalb der Band ist super angenehm und ich freue mich jetzt schon darauf, die Gang im März wiederzusehen.

Wie ist es Dir auf der Tour ergangen? Da waren ja auch recht große Gigs dabei.

Fabian: Ohja! In diesem Jahr spielen wir das neue U.D.O. Album auf Wacken vor 80.000 Menschen, darauf freue ich mich schon sehr. Für mich spielt es aber keine Rolle wie viele Menschen vor Ort sind, sondern viel eher der Vibe, der zwischen uns und den Fans entsteht. Das Tourleben an sich liebe ich, ich gehe täglich ins Fitnessstudio kann den ganzen restlichen Tag Gitarre spielen und darf dann das neu Gelernte abends präsentieren – super!

Was habt Ihr auf dieser Tour so alles Kurioses erlebt?

Fabian: Ich muss da sofort an Rumänien denken. Dort haben wir im Sommer ´19 ein Festival gespielt. Der Tag begann mit einem defekten Flugzeug, welches nach halber Strecke wieder umkehrte, um in Deutschland repariert zu werden, so dass wir fast die Show aufgrund der entstandenen Verspätung absagen mussten. Ein paar Stunden später sind wir dann endlich in Resita (Rumänien) angekommen. Der Fahrer, welcher uns vom Hotel dann zum Festival-Gelände fahren sollte, hatte einen Motorschaden. Nochmal Verspätung. Danach lief alles erst einmal ganz gut und wir waren bereit für die Show. Nur leider befand sich das Festival mitten auf einem Berg und ein heftiges Gewitter begann kurz vor unserer Stage-Time. Wir haben dann aber tatsächlich unser Programm durchziehen können. Die Fans waren bereits während des Show-Intros komplett nass und ich rede hier von einem wirklich heftigem Gewitter. Wir haben auf der Bühne auch alles abbekommen. Zwei Stunden Regendusche, egal – Rock´n Roll. Auf dem Rückweg ins Hotel hatten wir dann noch einen “Platten”, so dass wir komplett durchnässt noch eine Stunde in der Kälte auf das Ersatz-Auto warten mussten. Das war ein Tag!

Ich muss doch noch einmal in die Mottenkiste greifen und ein paar Fragen über Deinen Lebenslauf stellen. Im Netz ist nicht wirklich viel über Dich zu erfahren …
Seit wann spielst Du Gitarre und wer war Dein Lehrer?

Fabian: Ich habe Ende 2013 angefangen Gitarre zu spielen, mein Dad, Bernd Dammers, zeigte mir wie man “Iron Man” von Black Sabbath spielt. Ich habe daraufhin sehr viel selbständig gelernt und auch immer wieder Unterricht genommen, z.B. Dennis Hormes, Marco Wriedt, Rumen Iliev und viele mehr.

Als erste Bandmitgliedschaft findet man von 2014 bis 2015 „The Treatment“, eine britische Classic-Rockband. Eine Lernstation oder nur zur Aushilfe?

Fabian: Bei „The Treatment“ war ich festes Bandmitglied und habe zu der Zeit auch in Cambridge, UK gewohnt. Die erste Zeit war großartig! Meine erste Show mit der Band war bei Rock am Ring, weiter ging es mit einer Australien Tour und Support-Shows für u.a. Aerosmith, Scorpions und Alter Bridge. 2015 habe ich dann beschlossen, die Band zu verlassen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Alyzee? Oriental Pop Rock ist nicht das, was man von Dir erwartet…

Fabian: Der liebe Mirko Salispahic konnte ein paar Shows nicht spielen und hatte mich gefragt ob ich ihn vertreten kann. Die Songs von Alyzee machen total viel Spaß zu spielen, ich höre sie heute noch manchmal beim Autofahren.

Du stehst bei Alyzee noch in der Band. Trittst Du mit ihr trotz Soloprojekt, U.D.O. und Dirty D´Sire, Deiner eigenen Metalband, noch weiter auf?

Fabian: Ich versuche das alles unter einen Hut zu bekommen – mein Motto ist „JUST WANNA PLAY“.  Deswegen habe ich zusammen mit meiner Freundin Stella von Monroe, die auch als Fetish Model aktiv ist, die „JUST WANNA PLAY“ Shirts ins Leben gerufen. Ich möchte so viel spielen wie ich nur kann, man lernt einfach super viel beim Live spielen. Mit Udo machen wir ca. 100 Shows pro Jahr, alles andere versuche ich drum herum zu bauen. Dirty D´Sire ist derzeit ein reines Studioprojekt, wo ich erst vor Kurzem mit dem grandiosen Sänger Gabriel Spigolon von VITJA ein Cover veröffentlicht habe. Ich spiele auch mit einer P!NK Tribute Band mit Vanessa Henning, die mal „Just Pink“ hießen und sich jetzt „It´s All Pink“ nennen. Die ersten Shows für mein Solo-Projekt sind gerade auch in Planung!

Zum Abschluss natürlich noch die Frage, wo Du Dich in ein paar Jahren siehst. Was dürfen wir in Zukunft von Dir erwarten?

Fabian: Ich werde weiterhin 110% geben, viel spielen und hoffe, dass ich mit der Dee Dammers Band touren und weitere Alben produzieren kann. Außerdem würde ich gerne mal die Gitarre für Katy Perry spielen.

Danke für das Gespräch! Alles Gute für die Zukunft und auf ein Wiedersehen spätestens in Wacken!

 

/ Norbert Czybulka (Fotograf und Redakteur des NiC – NordMensch in Concerts Online Magazine)