Mit „Abschaum“ verlangen HERBSTSCHATTEN dem geneigten Black Metal-Fan doch vieles ab. Die 52 Minuten sind gespickt mit Kinderreimen, Electro-Elementen, Gangshouts, deutschen Sprichworten und Volksliedern. Nach einem stimmungsvollen Intro, das stark an die Gabriel Burns Hörspielreihe erinnert, ballern die Hamburger durch sieben Songs (plus einen Instrumental). Dabei schaffen sie es, dass die Songs zwar druckvoll, aber immer noch dreckig klingen. Die verschiedenen Elemente werden mal mehr, mal weniger gut in den Black Metal integiert. Besonders viel Atmosphäre erzeugen die gesprochenen norwegischen Texte (Endzeit, Sonnenuntergang), die an Varg “Vikernes” erinnern oder, wie Basser Alex sagt „Wie Burzum, nur in politisch normal”.

Und wo wir schon beim „True Black Metal“ sind: Das Intro von „Thron des Zorns“ erinnert herrlich an Mayhem. Dass die Band sich und den Black Metal aber im Gegensatz zu den Norwegern nicht so ernst nimmt, zeigt dann das fröhliche „Das Wandern ist des Müller’s Lust“ am Ende des Songs. Textzeilen, wie „der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ (Der Kutscher) oder „die Würfel sind gefallen“ (Gletscherbestie) wirken dann aber doch etwas platt, während Herbstschatten mit Gangshouts, tollen Breaks (Sonnenuntergang) und Electro-Elementen ala Kovenant (Flammen der Schuld) die Songs wiederum unwahrscheinlich beleben.

Verpackt ist das Ganze in einem eleganten Digipack mit 12-seitigem Booklet.

Meine Anspieltipps: „Sonnenuntergang“, „Seelenschrei“ und „Hingabe“

Veröffentlichung: 02. Oktober 2020

Punkte: 7/10