Am Freitag, den 13.09.2019 öffnete der INDOOR SUMMER 2019 seine Tore. Die Location für dieses Jahr sollte das Grünspan, mitten auf dem Hamburger Kiez, sein. Bereits um 15:00 Uhr gewährten uns die Veranstalter Einlass. Um diese Uhrzeit die Große Freiheit hochzulaufen ist schon etwas befremdlich, da ich, wie die Meisten, die Große Freiheit nur im Dunkeln kennen. Es ist eben die Partymeile in Hamburg. Ich kam also zu den ersten Tönen der ersten Band im Grünspan an und konnte so auch alle Songs in Ruhe genießen. Um 16:00 Uhr starteten somit DEVICIOUS als Opener. Der Indoor Summer konnte beginnen. Für diese frühe Uhrzeit an einem Freitagnachmittag, war die Veranstaltung schon sehr gut besucht. Die Stimmung im Publikum war von Anfang an “on top” . Es wurde, so weit es ging, schon ordentlich mitgesungen. Einige “hey´s” und “ho´s” ertönten und auch die Haare fingen schon leicht an zu fliegen. Auf die Ohren gab es eine Mischung aus Hard- und Melodicrock. Der italienische Sänger gab sogar während der Show – trotz seiner geringen Deutschkenntnisse – einige kleine Witze zum Besten. Ich denke, dass seine Bandkollegen ihn dazu angestiftet hatten, auch noch den Satz „Isch habe gar keine Auto“ oben drauf zu packen. Dies hat dann natürlich auch den einen oder anderen im Publikum zum Lachen gebracht. Die Stimmung lockerte sich mit jedem seiner Witze mehr und mehr. DeVicious standen für meinen Geschmack viel zu kurz auf der Bühne des Indoor Summers, allerdings sollten natürlich noch weitere Bands am heutigen Tage folgen. Ihr Set beendeten sie mit dem Song „Everything“. So ging man mit einem guten Gefühl und einem Ohrwurm in die kurz angesetzte Umbaupause. Die Pausen wurden zumeist im Freien genossen, da es im Grünspan während der ersten Band schon sehr heiß wurde. Mir war nun erst einmal nach einem Kaffee und den organisierte ich mir schnell, denn danach sollte es weitergehen auf der Bühne.

Als zweite Band kamen OSUKARU aus Schweden. Sie unterhielten mit guten Gitarren Riffs und fantastischem Gesang. Für mich war es nicht das erste Mal, dass ich Osukaru sehen durfte und so wusste ich, dass dieses Set nur gut werden kann. Und ich wurde wieder einmal nicht enttäuscht. Zum Indoor Summer brachten sie ihren neuen Schlagzeuger mit, der sich schon sehr gut in die Band einfügte. Es war sein erster öffentlicher Auftritt mit Osukaru und ich denke, er war ein wenig nervös. Mittlerweile stieg die Temperatur in Grünspan extrem. Osukaru ließen sich davon nicht abschrecken und spielten ihr Set mit viel Gefühl und einer ordentlichen Portion Rock bis zum Ende.

Dieser erste Tag auf dem Indoor Summer war alles in allem sehr nordisch geprägt. Vier von fünf Bands kamen aus Skandinavien. So auch die folgende Band. ONE DESIRE kommen aus dem schönen Finnland. One Desire stellten uns, ihr noch aktuelles Debüt-Album vor. Diese Band sollte man wirklich im Auge behalten, denn live wussten sie zu begeistern. Und so war es auch hier kein Wunder, dass das Publikum – im mittlerweile tropisch warmen Grünspan – sich sehr wohl fühlte und total mit der Band mitging. Es ist immer wieder faszinierend, dass aus Skandinavien so extrem viel gute Musik kommt.

So und wer nun denkt, heißer konnte es nicht werden, der hatte nicht mit den Finnen von RECKLESS LOVE gerechnet. Für mich und viele andere waren sie der heimliche Headliner dieses Abends. Diese Hotties erhöhten die Raumtemperatur noch einmal um ein Vielfaches. Frontmann Olli Herman schafft es mit seiner Band vom ersten Ton ab an, das Publikum zum Mitsingen zu bewegen. Eröffnet wurde das Set von Reckless Love mit „Animal Attraction“ aus dem gleichnamigen Album. Sie lieferten einen Kracher nach dem anderen und hielten das Tempo recht hoch. Erstaunlicherweise scheinen die Skandinavier diese extreme Wärme sehr gut auszuhalten, sie haben kaum geschwitzt – im Gegensatz zum Publikum. Dort rieben sich derweil verschwitzte Körper aneinander. Es wurde getanzt, gesungen und bestens gefeiert. Den Abschluss des Sets bildete der Song „Hot“ – irgendwie passend zum Abend. Ich hatte das Gefühl, allein für diesen Auftritt, hatte sich der ganze Abend schon gelohnt. Stellte sich doch nun wirklich die Frage, wie dieser Auftritt noch zu toppen sein sollte.

Die Uhr stand auf 21.30 und dieser erste Abend hatte nur noch eine Band für uns parat. Als Headliner sollten nun ECLIPSE aus Schweden folgen. Erik Martensson – absolut überzeugend an diesem Abend durch Gesang und Gitarre. Auch seine Bandkollegen gaben alles und noch mehr, so dass nun endgültig der gesamte Glitzer vom Körper floss. Eclipse schenkten uns eine bunte Mischung an Songs. Dem Hamburger Publikum wurde noch einmal alles abverlangt und der letzte Tropfen Schweiß sollte zu Boden fallen. Ihren Slot beendeten die Schweden mit ihrem Song „Runaways“ (mit dem sie es bereits 2016 ins Halbfinale des Eurovion Song Contest schafften). Ein großartiger Headliner beendet somit den ersten Festivaltag des Indoor Summers 2019 und man konnte nun noch weiter auf der Hamburger Rotlichtmeile schwofen oder aber zufrieden ins Bett fallen – schließlich ging es ja am Samstag gleich weiter – ganz im Sinne des AOR.

Am Samstag starteten wir bei wunderschönem Sonnenschein. Die erste Band an diesem Tag sollte SIGN X sein. Sie waren sozusagen die Lokalmatadoren auf diesem Festival. Langsam füllte sich das Grünspan, während die ersten Klänge des Tages ertönten. Sign X präsentierten ein energiegeladenes Hardrock-Set auf die Bühne, bei dem sie bewiesen, dass die Mischung aus “alten Hasen” und jungen talentierten Musikern im Musik-Buiz sehr gut funktionieren kann. Die Stimme des Sängers ist schön eingängig und alle Bandmitglieder hatten verdammt viel Spaß auf der Bühne. Dieser Spaß übertrug sich auch sehr schnell  auf die Besucher und so fingen die ersten Köpfe an zu wippen. Wir meinen, Sign X sind definitiv einen weiteren Konzertbesuch wert.

Next Band: NEONFLY. Mit den Engländern kam nun die geballte Ladung Powermetal auf die Bühne. Mit wehenden Haaren und Dreadlocks fegten Neonfly über die Bühne und brachten einen irre geilen Spirit mit. Hamburg ließ jetzt die Köpfe kreisen und die Nacken knacken. Wie gefühlt bei jeder Band bisher, gilt auch für Neonfly, dass die Auftritte eighentlich immer viel zu kurz waren. Leider hatte Frederick Thunder, der Gitarrist, nur einen Teil seines Bühnenoutfits dabei. Normalerweise tritt Frederick mit Feder, Helm und Amreif, an welchem ebenfalls Federn befestigt sind. Der Helm passte, so wie er sagte, leider nicht mehr ins Auto. Auch Neonfly hinterließen “good vibes” für das Publikum und ehe man sich versah, war da schon wieder die Pause.

Auch am zweiten Tag kämpften wir Norddeutschen wieder mit den tropischen Temperaturen im Hamburger Grünspan. Und von daher war nun eine nordische Band genau das Richtige. 220 VOLT kommen – ebenso wie Crazy Lixx – aus Schweden. Und wieder frage ich mich, warum sind da oben so viele geile Bands?  220 Volt sind an diesem Abend die wohl älteste Band. Gegründet haben sie sich im Jahre 1979 und somit bringen sie satte 40 Jahre Bandgeschichte mit – aber sie können noch extrem geil rocken. Hammer!

Mit CRAZY LIXX kam nun wieder eine Portion Glitter and Glam aus Schweden. Volles Programm mit “hot candies on stage”, wehenden Haaren auf und vor der Bühne und einer kreischenden Damenschar im Hamburger Publikum. Bei Crazy Lixx war das Publikum echt textsicher und so wurde fast jeder Song mitgesungen. Es wäre allerdings ein netter Gag gewesen, die Band bereits einen Tag zuvor – also am Freitag, den 13. – auftreten zu zulassen, denn sie haben zum Computerspiel „Friday the 13th“ drei Lieder beigesteuert, unter anderem auch das Titellied „Killer“. Danny Rexon, der Sänger, ließ es sich aber dennoch nicht nehmen, im Kostüm des Hauptcharakters des Spiels den Song „XIII“ zu performen.

Die Hitze stieg mittlerweile wieder ins Unermessliche. Doch an diesem Tag wurden in den Pausen die Notausgangstüren geöffnet, so dass die Location ab und an durchlüften konnte. Ein wenig schade war es, wieder einmal zu sehen, dass Einwegbecher verwandt wurden. Vielleicht auch hier einmal ein kleiner Denkanstoß, gerichtet an das Grünspan, endlich einmal zu Zeiten des Klimawandels und der Nachhaltigkeit auf Mehrwegbecher umzusteigen. Dies aber alles nur am Rande angemerkt – zurück zum eigentlichen Geschehen. Die Stimmung war wirklich auch heute wieder wunderbar und man traf viele Leute, es gab nette Gespräche, die Bands mischten sich ebenfalls unter das Publikum und feierten mit ihren Fans. Das eine oder andere Selfie mit den Bands war somit auch möglich und es ergab sich eine wirklich tolle familiäre Atmosphäre.

Auf der Bühne ging es weiter mit der vorletzten Band des Festivals. TYKETTO kamen auf die Bretter des Grünspans und ließen an dem Abend ein weiteres Highlight folgen. Tyketto zeigten uns, dass nicht nur die Skandinavier großartigen Glam-Metal und Hardrock abliefern können. Die Amerikaner setzten die Bühne des Grünspans mit ihrem energiegeladenen Set regelrecht in Flammen. Im Publikum gingen die Hände nach oben und es wurde ordentlich mitgeklatscht. Blickte man in die Gesichter der Besucher, war da sehr viel Zufriedenheit und Freude über ein bisher gelungenes Festival deutlich zu erkennen. Nunja, allerdings geht auch das beste Fest einmal zu Ende. Und somit stand nun als abschließendes Highlight THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA auf dem Programm. Auch hier einmal wieder auf der Bühne eine schwedische Band. Die schwedische Szene im Bereich des AOR, Glam und Hardrock ist sehr ergiebig an großartigen Bands. Das wurde auf dem Indoor Summer in diesem Jahr wieder einmal sehr deutlich. The Night Flight Orchestra hatte ich selbst bisher live noch nicht erlebt. Sichtlich überrascht nahm ich die zwei in rosa Satin gekleideten Stewardessen wahr, die als erstes winkend auf die Bühne kamen. The Night Flight Orchestra sorgten an diesem Abend für die vollste Bühne von der Personenanzahl her und brachten dem Publikum eine großartige Classic Rock Show. Ein letztes Mal nahmen die Hamburger volle Fahrt auf und feierten zusammen mit dem Night Flight Orchestra eine riesige Party. Sagenhaft!

Der Abend endete – wie auch schon der erste Festivaltag – mit voller Zufriedenheit und verschwitzten T-Shirts. Eine wirklich sehr gelungene zweite Auflage des INDOOR SUMMER. Egal wo man hinschaute, es gab keine enttäuschten Gesichter. Zwei tolle Festivaltage mit gut ausgewählten Bands. Was will man mehr. Und gerade weil der INDOOR SUMMER auch in diesem Jahr erneut ein voller Erfolg war, ist es auch nicht verwunderlich, dass für 2020 bereits die dritte Ausgabe des INDOOR SUMMER angekündigt wurde. Am 05.und 06.09.2020 wird der INDOOR SUMMER seine Fortsetzung finden. Für die FRÜHBUCHER unter Euch gibt es jetzt auch schon das “Early Bird Ticket” für 69,00 Euro. Hier der entsprechende Link zum Ticketverkauf  des INDOOR SUMMER 2020. Also, bis dahin – wir sehen uns – im kommenden Jahr allerdings wieder in der guten alten Hamburger Markthalle!