Eigentlich war es purer Zufall, denn mir kamen INFECTED RAIN zum ersten Mal im Netz vor die Flinte, als ich ein Poster von ihnen im Hintergrund eines Fotos gesehen hatte. Kurz gegoogelt und danach einige Videos angeschaut und schon war ich beeindruckt von der Energie, der Wut und der Vielseitigkeit dieser Band. Der Gesang von Elena („Lena Scissorhands“) balanciert spielerisch zwischen kehlig aggressiv und clean, wobei mich die cleanen Stellen besonders packen. Auch thematisch setzt man sich mit gesellschaftskritischen Nummern wie Einsamkeit, Umweltzerstörung und Alkoholmissbrauch auseinander, die sowohl textlich, als auch musikalisch und besonders in den Videos sehr geschickt verarbeitet werden (ein Blick auf deren YouTube Kanal lohnt sich). Ganze drei Alben und diverse Singles hat die Truppe aus Moldawien bereits zu verbuchen und nun haben sie mit Napalm Records eine gute Heimatbasis für ihre Musik gefunden.

Die neue Scheibe hört auf den Namen „Endorphin“ und knallt dem Hörer 10 neue Songs um die Ohren, in denen man eine wütende, und doch innerlich gereifte Band hört. Generell wird eine Mischung aus hart und zart serviert, die mit elektronischen Elementen garniert wird. Vergleiche zu Korn, mit Nu Metal und Slam Einflüssen beschreiben das Ganze im Groben, aber bereits beim ersten Durchlauf erlebt man viel tiefgründigere Schichten. “Pendulum” beschreibt die Balance zwischen den Gegensätzen, die aus dem Gleichgewicht zu fallen droht. Elenas cleane Stimme dominiert hier überwiegend und zaubert schnell eine Gänsehaut, ehe die brachialen Riffs und aggressiven Ausbrüche das Klangbild unterbrechen. “Passerby” schlägt kompromisslos in die Fresse der Nu Metal Freunde und groovt sich schnell in die Hirnrinde, ohne mit einem POD würdigen Zwischenpart zu geizen. Mit “Lure” fletscht man die Zähne und rüttelt einen selbst erschaffenen Käfig mit brachialen Stakkato Riffs kräftig durch, ohne ihn zu zerstören. Gerade das Zwischenspiel zwischen ruhigen und aggressiven Elementen, gepaart mit elektronischen Spielereien beherrschen INFECTED RAIN sehr gut, was der Beginn von “Walking Dead” eindrucksvoll beweist. Wie ein roter Faden zieht sich dieses Gefühl von aggressiver Verzweiflung durch den ganzen Song und kann die Brücke zwischen introvertierter Wut und rasender Verzweiflung schlagen. Man spürt auch zwischen den Zeilen, dass diese Band hungrig und mit Herzblut bei der Sache ist. Sowohl persönliche, als auch globale Themen zeigen, dass die Band einiges zu sagen hat und nicht im Wust von unübersichtlichen Veröffentlichungen untergehen sollte.

 

Das Video zu “The Earth Mantra” spricht dabei Bände; einfach mal in einem Rutsch anschauen und die Atmosphäre auf sich wirken lassen. In der Vergangenheit hat mich die (stellenweise) sehr vertrackte Mischung aus Elektronik, Nu Metal und klarem Gesang im Hinblick auf ihrer Langzeitwirkung teilweise herausgefordert und irgendwann an Zündstoff verloren. Mit `Endorphin` hat man allerdings eine perfekte Balance gefunden und es wirkt nicht mehr so roh und stellenweise zusammengekleistert wie früher. INFECTED RAIN schaffen es sich weiter zu entwickeln, ohne ihren Stil zu verändern, was anderen Bands nicht vergönnt ist. Jung, wütend und im inneren sehr herzlich tobt man sich sowohl auf diesem Album, als auch in Videos und live aus. Wer mit modernem Metal und charismatischem Frauengesang (fernab von epischen Gefilden wie Nightwish & Co.) etwas anfangen kann, sollte sich von den Qualitäten dieser Band auf YouTube (Anspieltipp: “Orphan Soul”) überzeugen und diese Band unterstützen, indem man sich “Endorphin” gönnt. Es ist Balsam für die Ohren und ein Ventil für die Seele.

7 von 10 Punkten

/Radu

Auch live könnt Ihr Euch INFECTED RAIN noch in diesem Jahr an folgenden Stationen gönnen:

02.11. IT, Bari – Demode
03.11. IT, Rome – Orion
05.11. IT, Bologna – Estragon
06.11. IT, Milan – Live Club
07.11. CH, Zurich – Komplex 457
08.11. DE, Stuttgart – LKA
09.11. DE, Oberhausen – Turbinenhalle
10.11. BE, Antwerpen – Trix
12.11. UK, Manchester – O2 Ritz
13.11. UK, Glasgow – Garage
14.11. IRL, Dublin – Academy
15.11. UK, Bristol – SWX
16.11. UK, London – O2 Forum Kentish Town
17.11. UK, Nottingham – Rock City
19.11. DE, Frankfurt – Batschkapp
20.11. DE, Hannover – Capitol
21.11. DE, Berlin – Huxleys#
22.11. DE, Leipzig – Felsenkeller
23.11. DE, Munich – Tonhalle
24.11. AT, Dornbirn – Conrad Sohm
26.11. FR, Bordeaux – Le Rocher de Palmer
27.11. ESP, Barcelona – Razzmatazz II
28.11. ESP, Madrid – Mon Live
29.11. FR, Toulouse – Le Bikini
30.11. FR, Rennes – L’Etage
01.12. FR, Paris – Elysée-Montmartre
03.12. DE, Saarbrücken – Garage
04.12. DE, Nürnberg – Hirsch
05.12. SLO, Ljubljana – Kino Siska
06.12. HU, Budapest – Barba Negra
07.12. CZ, Zlin – Hala Euronics
08.12. AT, Vienna – Arena
10.12. PL, Krakow – Klub Kwadrat
11.12. PL, Warsaw – Progresja
12.12. LV, Riga – Melna Piektdiena
13.12. FI, Helsinki – Tavastia
14.12. FI, Tampere – Pakkahuone
15.12. EST, Tallinn – Rock Cafe
17.12. SE, Stockholm – Klubben Fryshuset
18.12. NO, Oslo – Vulkan Arena
19.12. SE, Gothenburg – Trädgarn
20.12. DE, Copenhagen – Amager