Ruhig ist es derzeit bei allen Bands, leise die Kulturlandschaft. Aber ab und an finden sich hier und dort – gerade auch im Pandemie-Jahr 2020 – mehr und mehr Akustikbands zusammen und nutzen die kleinen Bühnen für „Unplugged-Konzerte“ im gemütlichen Rahmen. Unser Augenmerk geht heute nach Kiel. Dort wo sonst die Thrash-Metaller von TYSON lauthals Konzerte rocken, geht es nun mit zwei Mannen des TYSON-Kaders im Akustik-Gewand weiter. Die Rede ist von IRON MIC.

Ich habe mich mit Kochi van Tyson (Sänger von TYSON und IRON MIC) auf ein kleines virtuelles Interview getroffen und ihn ein wenig ausgequetscht zu Tyson-Songs unplugged, Pandemie-Blues vieler Fans und Bands, Aktivitäten im kommenden Jahr, neuen Songs, Videodreh´s uvm.

Moin Kochi, mein Lieber, ich grüße Dich erst einmal. Schönen Dank, dass Du Dir Zeit nimmst, mit mir ein bisschen über Dein aktuelles Projekt IRON MIC zu plaudern. Erzähl unseren Lesern doch einmal, wer steht hinter IRON MIC, was genau macht IRON MIC und wie kam es überhaupt zu dieser Formation und zum Bandnamen?

Kochi: Hallo Stefanie, ich danke DIR, dass ich hier Gelegenheit habe, über IRON MIC zu reden. Die Band gibt es ja erst seit Anfang letzten Jahres, und wir können gut noch etwas Aufmerksamkeit haben. IRON MIC bestehen genau genommen aus drei TYSON-Bandmitgliedern, denn neben Pierre Dapper (Git.) und mir (Bass, Voc.) spielt auch Oliver Teschner (Drums) mit, der seinerzeit das zweite Album „Counterparts“ eingetrommelt hat. Nachdem TYSON 2009 ein kleines Akustikset im lokalen Radiosender gespielt hatten, um Werbung für ein Festival zu machen, kamen immer wieder mal Anfragen dieser Art. Erst 2015 gaben wir nach und spielten die „Akustillerie“ in Neumünster. Seitdem keimte bei Pierre und mir die Idee, das Ding irgendwann mal als Nebenprojekt auszubauen. Der Bandname bot sich als bezugnehmende Ergänzung zu TYSON regelrecht an. In erster Linie schreiben wir TYSON-Nummern so um, dass sie als Akustiknummer Sinn machen. Wir achten zwar darauf, dass das Grundriff auf Bass oder Gitarre bestehen bleibt, aber stilistisch legen wir alle Scheuklappen beiseite. Das erhöht die Möglichkeiten und definitiv den Spaßfaktor beim Proben. Dabei unterhalten wir uns auch viel über unsere Einflüsse, Jugendidole und musikalischen „Schlüsselerlebnisse“ und probieren entsprechend viele Coversongs aus, um das Programm zu füllen.

Als erstes Video erschien ja in diesem Jahr „House of Fire“, ein weiteres, nämlich „Anyway“, habt Ihr gerade vor ein paar Wochen veröffentlicht. Ich kenne beide Songs natürlich aus der TYSON-Feder, bin aber unwahrscheinlich beeindruckt, wie geil das alles klingt, wenn der Stromstecker gezogen wurde und das Ganze unplugged dahinplätschert. Wie ist das Feedback im Allgemeinen von Euren Fans, ich denke da kreuzen sich ja nun TYSON-Fans mit IRON MIC-Fans oder trennt sich der Fanbereich da komplett voneinander?

Kochi: Jetzt, wo wir den Anfang endlich gemacht haben, ist das Feedback so groß, dass sich IRON MIC überraschend schnell aus dem Schatten des großen Bruders herausboxt. Natürlich erreichen wir zuallererst die TYSON-Community und die Fans von CASKET INC., wo Oliver auch noch trommelt. Allerdings haben wir auf den wenigen Konzerten, die wir vor Corona gespielt haben, im Publikum schnell neue Gesichter ausmachen können. Ich bin mir sicher, dass es auch TYSON-Fans gibt, die mit IRON MIC nicht so viel anfangen können. Andersrum ebenso. Who cares? Wir freuen uns über jede*n, der/die zu unseren Konzerten kommt und mit uns eine gute Zeit hat. Bisher waren die Reaktionen ausnahmslos positiv.

 

Was mir persönlich sehr gut bei IRON MIC gefällt, ist, dass wir Deine schöne Stimme – die hast Du nämlich – viel intensiver erleben dürfen. Fühlst Du Dich stimmlich wohler bei IRON MIC oder doch eher in der lauten Variante bei TYSON?

Kochi: Für mein psychisches Gleichgewicht brauche ich die lauten Proben mit Tyson, wie andere ihren Sport, ihr Lachseminar oder Kaminholz hacken. Der Kopf wird freigeblasen, störende Energien müssen raus. Darauf möchte ich nicht verzichten. Tatsächlich ist das Singen bei IRON MIC auf anderer Ebene befriedigender, weil wir mit Instrumenten und Backing-Vocals Harmonien erzeugen, die, zumindest bei uns, regelrecht Glückshormone auslösen. Ich will nicht esoterisch werden, aber diese harmonischen Schwingungen und das aufeinander eingespielt sein, zieht mir die verkanteten Nerven glatt. Ich arbeite im Kindergarten, hahaha.

Die Zeit der Pandemie oder sagen wir die Zeit, die da auf uns im kommenden Jahr noch zusteuert, könnte dem Trio IRON MIC zugute kommen. Bestuhlte Konzerte mit begrenzter Besucherzahl. Plant Ihr da in der Hinsicht schon fürs kommende Jahr bzw. habt Ihr schon Termine, die Ihr unseren Lesern präsentieren könnt?

Kochi: Natürlich haben wir da einen Vorteil. Nach einer langen Schockstarre, angesichts der unklaren Booking-Situation, bin ich inzwischen auch wieder dran. Allerdings war eine unserer Prämissen, keine schnarchige Balladentruppe zu werden, sondern dem Publikum und uns einen echt geilen Abend zu bescheren. Das heißt, bei IRON MIC wird im besten Falle mitgetanzt, mitgesungen und auch mal vokal gebattled. Damit will ich sagen, dass wir zwar bestuhlte Konzerte spielen können, aber es wird, ähnlich wie für TYSON, nur der halbe Spaß sein, solange wir mit den Einschränkungen dealen müssen. Für Konzerttermine empfehle ich unsere Facebookseite www.facebook.com/ironmic.hwm

Ist es so auf lange Sicht so geplant bzw. gewollt, dass IRON MIC immer die Songs von TYSON in Akustik wiedergibt oder kommen da auch eigene Songs irgendwann?

Kochi: Wir werden es nicht schaffen, alle TYSON-Songs in ein Akustikgewand zu packen. Aber es zeichnet sich langsam ein Stil ab, in dem wir gut funktionieren, so dass es absolut Sinn macht, früher oder später reine IRON MIC-Songs zu schreiben. Vielleicht sogar zuerst als laute Rocker, um sie dann wieder runterzubrechen, denn diese Arbeitsweise hat sich als Konzept bewährt.

 

Wie überbrückt Ihr gerade die Zeit, in der nichts stattfinden darf. Gibt es Proben? Oder werkelt jeder bei sich zu Hause und man schnackt mal über Skype?

Kochi: Wenn wir mal nicht vom November sprechen, haben wir uns schon auch als ganze Band getroffen und geprobt bzw. ein, zwei  Videos gedreht. Darüber hinaus bietet die Akustiknummer ja den Vorteil, dass Pierre und ich uns auch zu zweit treffen können, um Songs auszuarbeiten oder einfach mal das Set durchzuballern. Skype, Zoom und wie sie alle heißen, müssen wir schon beruflich nutzen. Das reicht. Und wenn ich Olli ohne seine Zock-Grimassen sehe, erkenne ich ihn womöglich gar nicht …

Ich hoffe, dass wir Euch drei bald live wieder erleben können. Ich danke Dir für die Zeit und wünsche Euch und Euren Familien, dass Ihr bitte alle gesund bleibt.

Kochi: Wenn wir alle mal abchecken, wieviel Konzertkohle (inkl. Getränke) wir in den letzten und kommenden Monaten nicht im Club gelassen haben und einen Teil davon spenden bzw. in vielerorts angebotene Gutscheine investieren, haben wir nächstes Jahr auch noch Bühnen. Danke für die Wünsche – das geben wir gerne zurück!

Durch das Interview  führte Stefanie Preuß (Herausgeberin/Chefredakteurin u. Fotografin NIC NordMensch in Concerts)