Death- und Black Metal ist Aggression in seiner extremsten Form. Allerdings kann man auch hier einen unorthodoxen Weg gehen, um sich mit den Abgründen der menschlichen Seele zu befassen, wie KATHARTIK es beweisen. Wir sprachen mit den Gitarristen Vharst und M. über das Album “Mind.Abyss.Terror”,Psychologie und die Anstrengungen hinter den Bandkulissen:

Hallo und erstmal danke für eure Zeit. Bitte stellt euch einmal kurz den Leuten vor, die euch noch nicht kennen (es aber hoffentlich bald tun werden).

Vharst: Hey, danke für deine Zeit! Kathartik spielt unorthodoxen Black/Death-Metal oder wie auch immer du es nennen magst.

Was bedeutet der Bandname für euch und wie ist er entstanden?

Vharst: In Anlehnung an den Begriff der Katharsis, wie er sowohl in der Psychologie, als auch der antiken griechischen Tragödie Verwendung findet, wollten wir etwas was das Konzept der Band im Kern repräsentiert. So gesehen steht der Bandname für die innere Reinigung der Seele durch aggressive Erschütterung. Dass wir dabei eine stilisierte Verbform des Begriffes nutzen, dient im Endeffekt der Abgrenzung gegenüber anderen namensähnlichen Bands.

Euch gibt es bereits seit 2007. Letztes Jahr kam euer zweites Album Mind.Abyss.Terror raus. Was ist zwischen den beiden Alben passiert? Beim Goreminister war es ja schon fast ein Running Gag, wann das Album kommt…;)

Vharst: Passiert ist jede Menge, allerdings vieles davon hinter den Vorhängen. Primär gab es so einige Probleme mit dem Line-Up und der immer wiederkehrenden Aufgabe dieses zu vervollständigen. Einige unserer Auftritte haben wir daher gezwungener Maßen auch ohne Bassisten absolviert. Vielen Leuten ist vermutlich gar nicht so bewusst mit was für Schwierigkeiten man sich als Band intern auseinandersetzen muss, damit alles funktioniert. Die personelle Komponente spielt dabei jedenfalls eine große Rolle. Hinzu kamen noch ein paar andere persönliche Umbrüche, durch die wir uns aber durchgebissen haben und welche an dieser Stelle keine weitere Erwähnung finden sollten.

M., wir kennen uns ja bereits schon ein wenig länger. Du bist gleichzeitig bei den Kadaverfickern aktiv, die ja jetzt auch etwas Neues rausgebracht haben. Wie kommst du mit den beiden Bands klar und inwieweit beeinflusst die eine Band die andere?

M.: Ich denke nicht, dass die eine Band die andere beeinflusst. Ich ziehe meine Einflüsse eher über Musik, die ich höre und mich bewegt und binde die dann entsprechend bei den jeweiligen Bands ein.

Was ist mit den anderen Mitgliedern? Sind sie ebenfalls woanders aktiv?

Vharst: Ich spiele auch bei Mor Dagor, und bin Live-Gitarrist bei Nargaroth. Unser Drummer war unter anderem Studio-Musiker für Omega Vortex. Der neue Basser ist bei Hallig tätig und war lange Zeit bei Zwielicht aktiv.

M., wie bist du zu Kathartik gekommen?

M.: Wie das halt so ist. Ich kannte Vharst von diversen Konzertbesuchen und er kam darauf zu sprechen, dass bei Kathartik ein Gitarrist gesucht wird. Das war vor einigen Jahren und da bin ich jetzt.

Euer Sound klingt wie ein Hassbrocken, der aus einem Abgrund nach dem Hörer greift, um ihn unerwartet mit abwechslungsreichem Gehacke zu bedienen. Gab es bereits beim Songwriting eine grobe Marschrichtung oder wie kam der Sound bei euch zustande?

Vharst: Freut mich wirklich zu hören, dass es so rüberkommt (lacht). Wir hatten bereits bei der Gründung einen recht puristischen Ansatz, was Song- und Riffwriting anging. Uns ging es nicht darum, andere bekanntere Bands zu kopieren und wir haben recht viel Zeit investiert, um etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Unterm Strich muss man natürlich dazu sagen, dass wir das Rad auch nicht neu erfinden können, weshalb auch bei uns einige der Einflüsse mehr oder weniger klar zu erkennen bleiben.

 

Die Aufmachung eures Digipacks ist schön minimalistisch; gekörntes Foto rein, ein Minimum an Infos reingeschissen und fertig. Gerade das bringt auch die dreckige Atmosphäre gut zum Ausdruck. Generell ist ja alles bei euch noch hausgemacht und so wenig Kontrolle wie möglich wird abgegeben. Wie habt ihr das alles bewerkstelligt und ist es sehr schwer gefallen?

Vharst: Dreckig ist das Stichwort! Wir wollten natürlich ein stimmiges Gesamtwerk abliefern bzw. optisch etwas vorzeigen, was den Sound der Platte angemessen unterstreicht. Den düstersten Effekt erreicht man dabei nach wie vor mit einem gewissen Minimalismus. So bleibt auch die Imagination des Hörers gefordert, der nur erahnen kann, was dort Böses im Dunkeln lauert. Nichtsdestotrotz war es ein riesiger Aufwand alles so hinzubekommen. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Sarah für ihre Unterstützung und Arbeit.

Euer eigenständiger Stil dürfte auch einige Plattenfirmen interessieren. Als erstes würde mir Van Records einfallen, bei denen auch Sulphur Aeon sind. Wäre so eine Zusammenarbeit für euch eine Option?

Vharst: Selbstverständlich! Van ist ein Top Label, welches viel für seine Bands tut. „Mind.Abyss.Terror“ ist auch bereits in deren Online-Shop zu finden, obwohl wir nach wie vor unsigned sind.

Gib uns bitte einen Einblick in die Texte; worum dreht es sich und was verbindest du damit persönlich?

Vharst: Mit Ausnahme der letzten beiden Songs dreht sich alles um recht persönliche Schicksale. Der namensgebende Opener der Scheibe beleuchtet beispielsweise den psychischen Abgrund sehr direkt aus der Ich-Perpektive („I am emptiness; I am the void’s eye; …“). Im Verlauf der nachfolgenden Songs entwickelt sich dieses Szenario jedoch nach und nach vom Mikrokosmos in den Makrokosmos. Daher behandelt der letzte Song, welcher auf zwei Tracks aufgeteilt ist, auch ein apokalyptisches Thema und das Album schließt aus lyrischer Sicht mit den Zeilen „The elements reign, gruesome and righteous“, was die Unterlegenheit des Menschen gegenüber der Natur in und um uns widerspiegelt.

Dank Corona ist ja momentan nicht viel mit Auftritten. Habt ihr denn etwas in der Richtung geplant und wo könnte man euch live treffen?

Vharst: KATHARTIK werden nächstes Jahr im Februar beim großartigen Odyssey To Blasphemy in Oberhausen vertreten sein. Bleibt zu hoffen, dass der Virus uns keinen Strich durch die Rechnung setzt.

Besonders bitter: Absage Party San dieses Jahr. Zum Glück gibt es nächstes Jahr beinahe dasselbe Billing. M., du bist mit den Kadaverfickern am Start und ich gehe stark davon aus, dass du den Frühstücksgrind Slot erwischt hast 🙂 Wie kam es dazu und freut ihr euch auch schon so sehr drauf, wie wir?

M.: So sieht’s aus! Wir sind natürlich sehr froh, den Slot zum Frühstücksgrind besetzen zu dürfen! Wie wir dazu gekommen sind, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr… Wahrscheinlich im Vollrausch mit einem der Veranstalter gesprochen…

Gibt es bereits weitere Pläne für KATHARTIK (Merch, Streaming, irgendwas)?

Vharst: Wir haben seit Neuestem Shirts, welche über unsere Bandcamp-Seite (kthk.bandcamp.com) geordert werden können. Vom Streaming o.ä. halten wir uns vorerst fern und setzen darauf, bald wieder richtige Konzerte spielen zu können. Allerdings haben wir noch ein Video zum Song „Restless Eyes“, welches wir demnächst releasen möchten. Ansonsten nutzen wir die Zeit bereits für das Schreiben von neuem Material.

Danke für eure Zeit und alles Gute weiterhin für euch!

Vharst, M.: Danke! Cheers!

 

Durch das Interview führte: Sebastian Radu Groß (Chefredakateur NIC – NordMensch in Concerts)