Wer hat sich nicht schon immer Bands auf seinem Geburtstag gewünscht? Genau, deshalb lud New Evil Music am 12.10.2019 zum „New Evil Music Festival“, um mit tatkräftiger Bandunterstützung das 15jährige Bestehen zu feiern! Wir von NIC – Nordmensch in Concerts – waren für Euch vor Ort.

Knapp zehn Minuten vor Beginn der ersten Band um 13.00 Uhr erreichte ich den MS Connexion Complex in Mannheim und wurde dort auch herzlich, mit einem erfrischenden Getränk auf dem Parkplatz in Empfang genommen, bevor man sich sodann auf den Weg in die Halle machte. Nach einem netten Plausch mit der hauseigenen und wie gewohnt freundlichen Security, ging es erst einmal für mich auf Erkundungstour. Von der Hauptbühne im großen Saal, auf der SHORES OF NULL bereits etwas zu früh angefangen hatten, gelangte man über eine Treppe in weniger als drei Minuten problemlos zur zweiten, kleineren Bühne im ersten Stock.

Dort wartete ich auch direkt auf den Beginn der nächsten Band. Die Tontechniker hatten indes – so wie es schien – eine ältere Mix-CD im Schrank gefunden, um damit die kleine Halle auf ordentlicher Lautstärke mit Zwischenmusik von Queen, den Simple Minds uvm. zu beschallen. Kurz darauf startete auch schon die zweite Band des Tages: SURFACE. Die vierköpfige Truppe aus Hamburg hat mit ihrem Olympic-Death-Metal ein eigenes Genre kreiert und genau diesen gab es nun eine gute halbe Stunde, um die Anwesenden auf den weiteren Tag richtig einzustimmen. So wurde die Frage nach einem gemeinsamen Tänzchen auch direkt mit dem ersten Pit des Tages beantwortet. Auch zu Lachen gab es einiges, insbesondere als auf „das Gedankenspiel“, sich vorzustellen, die Lieblingsband würde gerade performen und entsprechend abgehen, und die darauffolgende Frage, was denn die Lieblingsband eines Besuchers in der ersten Reihe sei, die inbrünstige Antwort „SURFACE!“ zurück kam und Sänger Tom kurz aus dem Konzept zu bringen schien. Den Abschluss des Sets bildete ,Ovoviviparus Serpentes’, die zweite Singleauskopplung aus dem aktuellen Albums “River of Souls”, welche selbst den Sänger immer noch etwas ins Stottern bringt, dafür aber das Publikum umso mehr zum moshen bewegte.

Weiter ging es mit ISOLE auf der Mainstage, die leider aufgrund des recht stramm getakteten Zeitplans von gerade einmal fünf Minuten Pause zwischen jeder Band, bereits begonnen hatten. Die Epic-Doom-Formation aus Schweden gab bereits alles, während sich die Halle immer weiter füllte. Ich nutzte ihre Show, um einmal die Merchstände zu erkunden, welche in unmittelbarer Nähe zur Bühne standen. Somit konnte ich auf jeden Fall der Musik von ISOLE weiterhin folgen. Neben einer riesigen Auswahl an Merchartikeln aller anwesenden Bands, konnte man hier auch viele Bandmitglieder treffen und sich beispielsweise seine frisch erworbene Platte signieren lassen.

Nach einem kurzen Boxenstop am Auto und einigen angeregten Unterhaltungen mit den anwesenden Bands, ging es für mich um 15.20 Uhr auf der Hauptbühne mit SUN OF THE SLEEPLESS weiter. Obwohl diese Poetic-Black-Metal Band eigentlich ein Soloprojekt des Sängers Schwadorf darstellt, wurde er live selbstverständlich von einigen weiteren Musikern unterstützt, um die volle Bandbreite seiner Musik zu gewährleisten. Während des 40minütigen Sets wurden fünf Songs performed, die mit `Phoenix Rise´ ihren krönenden Abschluss fanden, bevor es nach einem weiteren schnellen Bühnenwechsel auf der Second Stage mit ARROGANZ weiter ging. 30 Minuten gab die Truppe aus Cottbus nun feinsten Death-Metal zum Besten, während man sich an der – gegenüber der Bühne gelegenen – Bar das eine oder andere Bierchen, zu sehr angemessenen Preisen, genehmigen konnte.

Weiter ging es mit EREB ALTOR auf der Mainstage. Die vierköpfige Band aus Gefle (Schweden) ordnet sich selbst dem Scandinavian-Metal zu, werden allgemein aber oftmals eher als Viking- oder Black-Metal Band eingestuft. Diese Band wurde von zwei ISOLE-Mitgliedern gegründet und um den ursprünglichen Stil der Vorgängerband FORLORN zu wahren, boten sie eine mindestens genauso grandiose Show, wie wenige Stunden zuvor bei ISOLE. Aufgrund der Länge ihrer Lieder beendeten sie ihr Set leider auch schon fünf Minuten vor der Zeit, da der enge Zeitplan keine Überziehungen zuließ.

Nach einer weiteren Entspannungspause und einem kleinen Snack – währenddesssen rockten MOSAIC schon die Second Stage – ging es für mich um 18.00 Uhr mit HELRUNAR weiter. Die Pagan-Band aus Münster bzw. Osnabrück, bot in gewohnter Art und Weise dunkle Stimmung und harte Gitarrenklänge. Ganze sieben Songs brachten sie den Besuchern während ihres 45minütigen Slots, der mit ,Magdeburg brennt!´ und ,Glámr´ einen runden Abschluss fand.

Im Anschluss übernahmen gleich AGRYPNIE die Second Stage Zu meiner Überraschung stand auf der Bühne ein Stuhl. Dieser erklärte sich jedoch schnell, als Sänger Torsten, scheinbar nach einer kürzlichen Fußverletzung, auf der Bühne humpelnd erschien und ganz in Stil von Dave Grohl, kurzerhand im Sitzen musikalisch performte. Ganze sechs Songs spielten sie, wobei insbesondere ,Verwüstung´ großen Anklang fand, da es sich hierbei um einen Ausblick auf das nächste Album handelte, der bisher nur in Mainz einmal angespielt wurde.

Energiegeladen ging es im Anschluss mit IN THE WOODS auf der Mainstage weiter. Diese feierten ihren Tourabschluss und mobilisierten noch einmal jeden, auch noch so kleinen Funken an Power. Gitarristen und Drummer spielten als gäbe es kein Morgen mehr, während Sänger James beschloss zeitweise aus dem Fotograben zu performen, um den Fans noch näher zu sein. Rund fünfzig Minuten rockten die Experimental-Metaller aus Norwegen, bevor es auf der Second Stage ein ganzes Stück härter wurde sollte.

MILKING THE GOATMACHINE stürmten die Bühne. Dabei ging es während ihrer Goat-Grind Show selbstverständlich gewohnt heftig zur Sache und keiner der Anwesenden blieb ruhig stehen, während die Jungs mit den Ziegenmasken sich die Finger wund spielten. Entsprechend zerstört fühlte man sich nach den gut fünfzig Minuten Ziegenwahnsinn, aber ohne Verschnaufpause ging es weiter zum nächsten Highlight des Abends:

EISREGEN ! Nach dem gelungenen Einstieg mit ,Knochentorte´ von ihrer aktuellen Scheibe „Fegefeuer“ begann eine 60minütige Reise durch die bisherigen Alben der Band. Ganze elf Songs und ein Medley gaben sie dabei zum Besten, wobei insbesondere letzteres für ausgelassene Stimmung sorgte. Unter dem Titel ,Dreizehn russische Krebsschweine´ performten sie hierbei einige zugelassene Stellen ihrer bekanntesten indizierten Lieder, die ansonsten zum Leiden vieler Fans nicht gespielt werden dürfen. Nach einer kurzen Unterbrechung folgte dann auch die Zugabe mit ,Menschenfresser´, allerdings nur unter der Bedingung, dass hierzu Sirtaki getanzt wurde, was jedoch dann auch noch mehr als gut klappte. So folgte auch sogleich mit ,Elektrohexe´ der zweite und letzte Song der Zugabe, der die Menge noch einmal ordentlich in Bewegung versetzte.

Auf der Second Stage spielte im Anschluss auch bereits der vorletzte Act des Abends: DEBAUCHERY. Im Zuge ihrer „15 Jahre Blood for the Blood God“-Tour performten sie dabei die größten Hits der letzten eineinhalb Jahrzehnte. Wie gewohnt bot die als Dämonen gekleidete Gruppe aus Stuttgart während ihrer rund 50minütigen Show feinsten Death-Metal, was natürlich für einige fliegende Haare und Pits sorgte, bevor man sich auf den Weg zur letzten Band des Abends machte.

Über der Mainstage prangte bereits das MANTAR-Backdrop und bereits kurz nach meiner Ankunft stürmte die Doom-Formation aus Bremen auch schon die Bühne. Obwohl sie bekanntermaßen ohne Bassisten auskommen, standen sie den anderen Bands des Tages in nichts nach. Eher im Gegenteil packten sie nochmal eine Schippe oben drauf und waren sichtlich bemüht das Publikum endgültig fertig zu machen. Nach sechzig, ziemlich anstrengenden, Minuten war es dann leider aber auch schon vorbei, was einerseits für Einige ein Segen war, andererseits aber auch viele Besucher sehr traurig stimmte. So machte man sich gegen 00:30 Uhr dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf den Heimweg durch die Nacht, während einem noch die letzten Töne des Abends im Ohr nachhallten.

Für mich ein absolut gelungener Abend, der trotz fehlendem „großen Geburtstag“ gerne jedes Jahr wiederholt werden dürfte. Besonders positiv war hierbei, dass man theoretisch jede Band sehen konnte, da es keine einzige Minute Überschneidung gab. Ein kleines Manko für mich persönlich gab es jedoch: Die Zeit zwischen den Bands war etwas zu kurz bemessen, sodass das dauernde Treppensteigen auf Dauer durchaus anstrengend wurde. Eine Band weniger und dafür etwas längere Pausen wären hier wünschenswert gewesen, auch wenn das selbstverständlich Meckern auf hohem Niveau ist. Ich freue mich jedenfalls auf das zwanzigjährige Bestehen von New Evil Music, welches hoffentlich ähnlich groß gefeiert wird!

 

Berichterstattung / PhotoCredits: Etienne Kulik