Während die Meisten sich noch von den Festivals der letzten Zeit erholen, fanden sich am letzten Augustwochenende wieder einige wenige Fans der härteren Gangart, auf einem kleinen Acker bei Wörrstadt, zusammen und zelebrierten dort die mittlerweile 15. Ausgabe des Neuborn Open Air Festivals. In der Zeit vom 22. – 24. August 2019 verwandelte sich das beschauliche Örtchen wieder einmal in ein lokales Metal-Mekka für Jung und Alt, als es da wieder hieß: “HEY NOAF!”

Als Heimspiel meinerseits ging es am Donnerstagabend gegen 17.30 Uhr ganz gemütlich und staufrei in Richtung Neuborn Gelände, wo schon überraschend viele, mit den Hufen scharrende, Besucher auf den baldigen Einlass warteten. Pünktlich um 18.00 Uhr öffneten sich dann auch schon die Schleusen zum Campground. Nach einiger anfänglicher Verwirrungen durch die veränderte Zugangssituation mit zwei Eingängen, aber nur einer Bändchenausgabe, suchte sich jeder ein gemütliches Plätzchen, welches ihm und seiner Gruppe die nächsten drei Tage ein Heim sein sollte. Als der Aufbau endlich vollendet und auf einen schnellen Blick quasi schon der ganze Campground vereinnahmt war, wurden entspannt die Füße hochgelegt, der Grill angeworfen oder ein frisches und noch gekühltes Getränk zu sich genommen, um sich entsprechend auf die kommenden Tage einzustimmen. Nach einem feudalen Frühstück vom campeigenen „Gasherd“ und einem Austausch über die vergangene Zeit am Esstisch, ging es um 13.00 Uhr dann Richtung Infield, welches seine Tore geöffnet hatte. Nach einem kurzen Shopping-Trip entlang der Stände, mussten einige doch feststellen, dass die Sonne mittlerweile arg brannte und man entfernte sich ins nahe gelegene – und für Festivalbesucher kostenlose – Neuborner Schwimmbad.

Dessen ungeachtet eröffneten GODSLAVE um 15.00 Uhr dann auch endlich die Bühne. Trotz geringer Besucherzahl gab die Thrash Metal–Formation mit ihrer gewohnt positiven Einstellung alles, um die Leute anzuheizen. Dennoch musste ich leider, wie viele andere, das Gelände nach diesem klasse Einstieg verlassen, um mich im Camp zu rehydrieren und die Sonne etwas auszusitzen, bevor es am Abend weiter ging.

Zur zweiten Hälfte der Show von DAGOBA begab ich mich dann vor die mittlerweile wieder besser befüllten Bühnen. Der Groove-Metal aus Frankreich packte die Menge problemlos und verhalf zu ausgelassener Stimmung und einigen fliegenden Haaren, die den wetterbedingt schwierigen Einstieg des Tages schnell verfliegen ließen.

Next up: JINJER. Die ukrainische Progressive–Formation hat sich mittlerweile ihren Ruf redlich erspielt und ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Entsprechend voll war es vor den Bühnen, als Frontfrau Tetjana Schmajljuk die Bühne stürmte und gemeinsam mit ihren Bandkollegen die Stimmung zum Kochen brachte. Nach einer guten Stunde trennten sich die Wege der Band und der Fans leider auch schon wieder, aber dennoch fand sich auf jedem Gesicht ein breites Grinsen wieder.

Nach einem schnellen Kleidungswechsel im Camp, um sich an die mittlerweile doch schon sehr runtergekühlten Temperaturen anzupassen, schaffte ich es aufgrund der kurzen Wege zum Infield noch die letzten Minuten von 1000MODS zu erleben. Die griechische Stoner-Truppe stellte einen extremen Stimmungswechsel zur vorherigen Band dar, was aber durchaus positiv aufgenommen wurde und immerhin eine kurze Verschnaufpause bot.

Diese war auch nötig, denn danach ging es dann für mich mit meinem persönlichen Highlight des Tages weiter: BURY TOMORROW. Die fünfköpfige Metalcore-Formation aus Southampton hat es sich mittlerweile im Olymp ihres Genres gemütlich gemacht, wartete aber wie immer mit einer großen Portion Fannähe und Dankbarkeit auf. Besonders ihre letzte und hochgelobte Platte „Black Flame“ fand Einzug in die Setlist, was für ausgelassene Stimmung sorgte und mit durchgängigen Pits das Infield in eine Staubwüste verwandelte. Zum Abschied gab es das gewohnte „Fuck VIP-Packages !“ von Sänger Daniel Winter-Bates, welcher wie versprochen keine fünf Minuten später mit seinem Bruder und Bandbassisten Davyd am Merch-Stand auftauchte um jedem Fan ein high five zu geben oder das ein oder andere Bild zu machen.

Schlag auf Schlag ging es dann auch schon weiter mit der letzten Band des Abends: HATEBREED. Trotz dessen viele noch erschöpft von BURY TOMORROW waren, ließen sie es sich nicht nehmen fast das ganze Infield in ein riesiges Pit zu verwandeln und es trotz Staub die ganze Show aufrecht zu erhalten.  Im Zuge ihrer aktuellen „25th Anniversary“-Tour bot die Band natürlich einen Abriss aus ihrer gesamten Bandgeschichte, der alte und neue Fans gleichermaßen in ihren Bann zog.

Als sie dann noch NOAF-Legende Zahni bei dessen Abschlussansprache zum ersten Tag unterbrachen, um mit “Destroy Everything” eine Zugabe zu geben, hielt sich endgültig keiner mehr zurück und es wurde noch einmal Alles gegeben, bevor man sich völlig fertig auf den Weg in Richtung Camp machte.

Nach einem diesmal nicht ganz so hochwertigen Frühstück stellte man vielerorts leider fest, dass es heute noch heißer war, sodass viele sich wieder in ihr Fresh & Black Zelt legten, unter dem Pavillon schliefen oder erneut ins Schwimmbad gingen. So verbrachte auch ich die Zeit, bis ich gegen 19.00 Uhr passend zum Schluss von ENFORCER auf das Infield gelangte und mit ihrem Speed-Metal in den Ohren in den Abend startete.

Bereits auf dem Weg waren mir viele seltsam enttäuschte Gesichter aufgefallen, die ich mir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht erklären konnte. Als während des Umbaus aber plötzlich das Banner der Lokalmatadoren von NOCTE OBDUCTA über der Bühne prangte, erklärte es sich. Die eigentlich angekündigten BENEDICTION waren leider auf dem Weg aufgehalten worden und innerhalb kürzester Zeit durch eine logistische Meisterleistungen ersetzt worden. Selbst etwas überrascht nun zu spielen, boten NOCTE OBDUCTA aber eine solide Show, die die meisten über die Trauer um das Fernbleiben von BENEDICTION hinwegtrösten konnte. Mit viel Charme und und Humor über die eigene Lage zogen sie das Publikum in ihren Bann und überspielten den Genre-Wechsel vom Death- auf Black-Metal gekonnt.

Im Anschluss ging es dann mit einer großen Portion Thrash weiter als TANKARD, ihres Zeichens Teil der „German Big 4“, aus Frankfurt die Bühne stürmten. Mit Klassikern wie “One Foot in the Grave” oder “R.I.B. (Rest In Beer)” sorgten die Frankfurter für eine Menge fliegende Haare und eine gröhlende Meute. Bereits 2013 zu Gast auf dem NOAF gewesen, feierten sie so eine gebührende Rückkehr zur Jubiläumsausgabe und trieben den Bierfluss nochmals ordentlich an, bevor es mit dem Headliner des Abends weiter ging.

Zu guter Letzt gab es nochmal ein ordentliches Schmankerl für die Ohren: AMORPHIS aus Finnland übernahmen die Bühne mit ihrem schwer einzuordnenden Stil, irgendwo zwischen Death- und Progressive-Metal. Los ging es mit zwei Songs ihrer letzten Scheibe „The Queen of Time“, die die Menge bereits ordentlich in Bewegung brachten. Als dann mit Klassikern wie “Bad Blood” oder “Against Widows” auch die älteren Stücke der Bandgeschichte beleuchtet und die etwas härtere Gangart eingelegt wurde, gab es jedoch kein Halten mehr und viele Stimmen verabschiedeten sich endgültig von ihren Besitzern. Durch diese gut gelungene Mischung bot sich den Fans ein guter Überblick über die bisherigen Alben der Band, der selbstverständlich mit “House of Sleep” seinen krönenden Abschluss fand und viele glückliche Gesichter hinterließ.

Zu meiner Überraschung begann im Anschluss noch ein weiterer Umbau, denn die mittlerweile eingetroffenen BENEDICTION wollten ihre Show nachholen. Natürlich ließ es sich niemand entgehen noch eine Band mehr zu sehen und so stürmten sie nach einer sehr kurzen Umbaupause auch schon die Bühne, entschuldigten sich vielmals für die Verzögerung und ließen mit den Fans gemeinsam und einer gehörigen Portion Death Metal das Festival ausklingen, bevor man sich auf den Heimweg oder zur Abschiedsparty auf dem Campground machte

Fazit: Trotz einiger persönlicher Probleme mit der Security am Einlass des Campgrounds, die leider zu überfürsorglich war, dass man teilweise dreimal am selben Zugang kontrolliert wurde und auch sonst sehr ungehalten gegenüber den Pressemitarbeitern war (da diese anfangs kein Bändchen erhielten), war es einfach wieder einmal grandios! Auch für das Wohl der oftmals mitgebrachten jüngeren “Nachwuchsmetalheads” wurde bestens gesorgt, da diese kostenfrei auf das Festival durften und vor Ort auch nahezu durchgehend von den „ach so harten“ Alt-Metallern bespaßt wurden. Was soll man noch weiter sagen: Nette Leute, super Bands und eine Wahnsinns-Stimmung. Jedes Jahr gerne wieder und so freuen wir uns auch wieder, wenn es auch im kommenden Jahr zum 16. Male wieder heißt: HEY NOAF!

Berichterstattung / PhotoCredits: Etienne Kulik