Am 30.10.2019 hieß es im Hamburger Übel und Gefährlich den Tourauftakt der “Full Circle Europe 2019 Tour” von P.O.D. zu begehen. Seit mehr als 15 Jahren wartete man nun schon in Europa auf die Rückkehr der Amerikaner. An diesem Tag hatte das Warten nun aber ein Ende. Doch bevor P.O.D. die Bühne betraten, gab es noch zwei weitere Bands. Eine war im Vorfeld klar: ALIEN ANT FARM. Eine weitere war eine Überraschung für das Hamburger Publikum. Den Opener Slot an diesem Abend hatten DEAD GIRLS ACADEMY inne. Gegen 19:30 trudelte ich nach einigen Unwegsamkeiten in der Location ein und suchte mir sogleich den Weg zur Bühne. Dort stand ein Schlagzeug mit der Aufschrift DEAD GIRLS ACADEMY. Also war mir klar, es wird noch eine dritte Band an diesem Abend geben. Da es auf Halloween zuging, dachte ich da kommt ein Haufen Mädchen in Halloween Kostümen auf die Bühne, allerdings weit gefehlt. Es waren vier Männer aus L.A., die gefühlt den Hollywood Lifestyle lebten. Mit ihren Songs brachten sie dem Hamburger Publikum den Dark Rock mal ein wenig eingängiger, mal ein wenig ruhiger. Sie hatten etwas mehr als eine halbe Stunde Zeit auf der Bühne und performten dabei acht Songs aus ihrem aktuellen Debüt-Album „Alchemy“.

Setlist DEAD GIRLS ACADEMY: This is War/ Forever/ Too Late/ No Way Out/ Everything/ Cannibal/ Girls, Girls, Girls / I´ll find a way

Leider hatte die Band mit einigen Soundproblemen hier und da zu kämpfen, so dass man den Sänger teilweise sehr schlecht verstanden hat. Dieses schlug sich auch auf die Stimmung des Publikums nieder. So war die Reaktion auf das Unbekannte eher nordisch zurückhaltend. Und so war es für das Publikum gefühlt auch eher eine Erleichterung, als die Band von der Bühne ging.

Nun wurde es Zeit für den Vize-Headliner des Abends. Nach kurzer Umbaupause und dem Einstimmen der Instrumente sollten ALIEN ANT FARM (AAF) auf die Bühne kommen. Erwartet habe ich nicht viel, da ich bis dahin nur „Smooth Criminal“ kannte. Ich wurde allerdings schnell von der Band überzeugt. Auch nach so langer Zeit, die die Band schon auf den Bühnen der Welt verbrachten, haben sie immer noch Feuer. So war es auch kein Wunder, dass das Publikum vom ersten Song an ausflippte, von der norddeutschen Zurückhaltung war jetzt nichts mehr zu spüren. Es wurde gesungen, gehüpft und Haare flogen im ganzen Raum. Vor Ort waren definitiv einige Leute, die wesentlich textsicherer waren als ich. Aber ich habe den gesamten Gig genossen; war es doch der von mir so heiß geliebte Alternative Rock. AAF sind Anfang 2000 in der Nu Rock/ Nu Metal Szene bekannt geworden und sind ihrer Linie bis heute treu geblieben. ALIEN ANT FARM hatten 11 Songs im Gepäck, die vor Energie nur so strotzen. Sie ließen dem Publikum kaum Verschnaufpausen und es fühlte sich einfach fantastisch an.

Setlist ALIEN ANT FARM: Courage/ Forgive & Forget/ Movies/ Wish/ These Days/ Mever Meant/ Attitude/ What I feel is mine/ Sticks & Stones/ Goodby/ Smooth Criminal

Viel zu schnell war auch dieser Slot nun zu Ende. Doch es wurde Zeit Für P.O.D. Die Helden meiner Jugend hatten endlich ihren Weg zurück nach Hamburg gefunden! Knapp 16 Jahre ist es her, dass sie das letzte Mal ein Gastspiel in Hamburg hatten. Damals spielten sie noch ein ziemlich besonderes Konzert im Inneren der Cap San Diego. Diesen Auftritt werde ich auch nicht vergessen, allerdings ist auch dieses Konzert ein denkwürdiger Moment für mich. Es war vom ersten Ton an wie damals, als hätte es die letzten 16 Jahre gar nicht gegeben. Voller Power legten P.O.D. gleich los. Sie ließen keinen Zweifel daran, dass sie auch nach so langer Zeit immer noch den Willen haben, auf den Bühnen dieser Welt zu stehen. Dieser typische Mix aus Rap und Metal ist so unverwechselbar. So passt der Rap von Sonny so gut zum Metal wie in keiner anderen Band! Dazu kommt, dieser Mann kann auch verdammt gut singen. Während der Gesangsparts kommt seine Stimme klar zur Geltung und verursacht durchaus auch Gänsehaut. Außerdem ist er auch sehr publikumsnah, singt das eine oder andere Lied stehend im Graben, Händchen haltend mit dem Publikum. Auch wenn P.O.D. größtenteils natürlich ihr neues Album präsentierten, spielten sie dennoch den einen oder anderen alten Song. Und so kam es dann für viele hier Anwesende zu diesem einen Klassiker-Moment mit leichter Gänsepelle. „Youth of a Nation“ wurde angestimmt. Diesen Song sang das Publikum nahezu alleine. Die Rap Parts unterstützte Sonny noch kräftig, doch den Refrain übernahmen die Hamburger allein. Was für ein Wahnsinns-Moment. Erinnerungen schrieben sich in die Gesichter der Besucher und es war einfach so wie vor 16 Jahren. Einzigartig!  So näherte sich dann aber leider auch das Ende des Auftrittes von P.O.D.. Das Ende eines wunderbaren Konzertes – zurückversetzt in die großartige Zeit des Nu Rock bzw. Nu Metals.

Setlist P.O.D.: Listening for Silence/ Set it Off/ Boom/ Rock the Party/ Panic Attack/ Soundboy Killa/ Rocking with the best/ Always Southern CA/ Circles/ Youth of a Nation/ Murdered Love/ Lost Forever/ South Town/ Bullet/ Will You/ Zugabe: Satellite/ Alive

Es bleibt zu hoffen, dass sich P.O.D. nicht wieder so lange Zeit lassen, bis sie wieder durch Europa touren und dabei Halt in Hamburg machen. Die “Warriors” – so nennen sich die Fans der Band – stehen wahrlich noch immer voll hinter P.O.D. Ich kann nur jedem empfehlen, der noch die Chance hat, ein Konzert dieser Tour zu besuchen. Es lohnt sich definitiv. Die Bands wollen unbedingt Europa neu erobern, das spiegelt sich zu 100% auf der Bühne wieder. Schade war es für uns von NIC – NordMensch in Concerts jedoch, dass wir als Magazine mit Schwerpunkt Konzertfotografie, keine Bilder für Euch Leser mitbringen konnten, denn zugelassen war nur der Tourfotograf und für Hamburg noch eine weitere Kollegin. Wenn eine Band sich so lange Zeit lässt, wieder nach Europa zurückzukehren und auch die Fans sich unwahrscheinlich auf diese Rückkehr freuen, schreit der Moment eben auch nach Bildern. Ein Konzertbericht lebt einfach auch durch Fotos und es betrübt ein wenig, Euch dieses Mal keine präsentieren zu können. Dennoch war der Tourauftakt von P.O.D. in Hamburg ein großer und bleibt in Erinnerung.

Berichterstattung: Andrea Da Silva Nolasco