Support your local heroes – Nach dem Aufruf, mindestens einmal im Monat einen kleinen Club, eine lokale Band oder ein Kneipenkonzert zu besuchen, habe ich dank der Corona-Pandemie und des Veranstaltungsverbotes zuerst wieder keine Idee, wie ich dies für den Monat Mai trotzdem bewerkstelligen kann. Bands genug gibt es ja und ich erinnerte mich an CASKET INC., eine richtig gute und sympathisch wirkende Band aus Dithmarschen. Am 06. März, also eine Woche vor dem Veranstaltungs-Stop sah ich die Thrash Metal Truppe in einem Kieler Hinterhofclub, dem MEDUSA. Wer ist die Truppe, warum habe ich die bisher noch nicht gesehen?

Also CD schnell besorgt und Kontakt hergestellt. Eigentlich wollten wir uns irgendwo im Nirgendwo zu einem Plausch treffen, aber die aktuelle Situation lies das nun einmal nicht zu. So verabredeten wir uns zu einem Interview via Internet. Den neuen Medien sei Dank!

Danke, dass Ihr Euch die Zeit nehmt, dass ich als “Konzertbesucher” Euch so näher kennen lernen darf. 

Oliver: Das ist doch selbstverständlich. Wir freuen uns, dass Du bei dieser Geschichte an uns gedacht hast und wir bei Dir einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Ich stelle Euch einmal kurz vor (von links nach rechts): Lars Newe (Gesang), Mathias Friese (Gitarre), Lars Franck (Bass) und Oliver Teschner (Schlagzeug)

Metal in Dithmarschen hat ja gerade auch durch die Nähe zum legendären Wacken Open Air eine lange Tradition. Seit wann seid ihr am Start? 

Oliver: Nachdem Kuddel und ich die Thrash-Metal Band ENRAGED ruhen ließen, bin ich für ca. 2 Jahre nach Kiel zu TYSON gewechselt. Daher auch die Verbindung zu Kochi und eben dem TYSON-Support-Gig in der MEDUSA. Ich habe die “Counterparts”-Scheibe von TYSON mit eingespielt und bin mit den Jungs auch auf Tour gewesen, u.a. mit Smoke Blow und COR. Im Zuge meiner werdenden Vaterschaft im Jahre 2012 bin ich dann wieder musikalisch “zurück” nach Dithmarschen, raus bei TYSON und habe angefangen mit Kuddel neue Songs zu schreiben, aus denen dann letztlich CASKET INC. wurden. Wir wollten melodischer zur Sache gehen, als bei ENRAGED und so rekrutieren wir noch im selben Jahr den Ex-ENRAGED Gitarristen Lars Newe als Sänger und unseren alten Freund, Lars Franck, als Bassisten.
Seitdem haben wir zwei Alben in Eigenregie, unter Aufsicht von Jan Pörschke (Produzent, Mixer, Freund der Band), produziert und einige coole Live-Gigs gezockt. Wir traten unter anderem auf dem Meltdown Festival, mit der kanadischen Thrash-Metal-Legende AGGRESSION und im Knust in Hamburg mit FORGOTTEN NORTH auf. Momentan arbeiten wir an unserem dritten Album.

Ein drittes Album? Wann ist es soweit? 

Oliver: Drei Songs stehen bereits. Die drei hatten wir ja auch in der MEDUSA schon vorgestellt. Zwei weitere befinden sich gerade in Arbeit. Ich denke wir werden Ende 2020/Anfang 2021 mit den Aufnahmen beginnen.

Eure letzte CD „Disciples Of Doom“ ist nun schon fast zwei Jahre alt. Immer wieder bekommt ihr dafür gute Kritiken. Wird die neue Scheibe im gleichen Stil oder habt Ihr Veränderungen geplant?

Oliver:  Auf der Scheibe wird es zu 100% Casket Inc. geben, dass kann ich schon mal verraten :). Wir haben wieder einen guten Mix aus Midtempo Nummern und thrashigen Stücken. Für Experimente außerhalb vom Heavy Metal sind wir zu Oldschool 😀 :D.

Habt Ihr bei der neuen CD professionelle Hilfe oder wird es wieder eine reine Eigenproduktion mit Eigenvertrieb?

Oliver: Ich möchte die Vorgehensweise der ersten beiden Scheiben gerne beibehalten, deshalb wollen wir wieder mit Jan Pörschke (Produzent von „Unleash The Chaos“ und „Disciples Of Doom“) zusammen arbeiten. Wir sind mittlerweile zu einem Team zusammengewachsen und den qualitativen Sprung von der „Unleash…“ zur „Disciples…“ finde ich enorm. Jan kennt uns gut und weiß wie er mit uns arbeiten muss/kann. Außerdem bringt er die nötige Geduld mit, um es mit uns auszuhalten 🙂 :).

Apropos professionelle Hilfe. Wie sieht es mit Booking aus? Bewerbt ihr Euch selbst auf Festivals? Sucht ihr Euch selbst Auftrittsmöglichkeiten oder könnt Ihr da schon auf einen Booker zurück greifen?

Oliver: Wir machen alles in Eigenregie. Ein Booker wird ja eingestellt um die jeweilige Band auf allen möglichen Festivals oder für möglichst viele Konzerte zu buchen. Wir müssen aber auch unseren Jobs nachgehen und jeder in der Band hat Familie. Daher müssen wir die Konzerte entsprechend in unser Arbeits-/Familienleben einbinden. Unser Booking sieht dann also so aus, dass artig die Bewerbungen für Konzerte oder Festivals geschrieben werden wenn die Kinder schlafen oder der Feierabend auf der Couch eingeleitet wird.

Hattet ihr in der Corona-Pause Live-Auftritte in der Pipeline? Wie wollt Ihr Euch live in Zukunft aufstellen?

Oliver: Eins der Highlights für 2020 konnten wir zum Glück noch vor dem ganzen Corona Stress erleben: Die Wochenendtour mit TYSON und SECUTOR! Das war schon sehr cool. Das zweite Highlight für uns in diesem Jahr fällt leider aus: Das Stöfenpark Rock Festival in Marne im Juni. Wir machen aber weiter wie gehabt, gucken was geht und bewerben uns. Ich hoffe sehr, dass die Lage sich ab August/September entspannt und wir dann wieder live angreifen können.

Metal aus D.e.a.t.h.m.a.r.s.c.h.e.n., dem Nabel der Welt. Wer ist auf das T-Shirt-Layout gekommen?

Oliver:  Der Begriff „DEATHMARSCHEN“ stammt noch aus der ENRAGED Zeit. Unser damaliger Sänger Fritjof ist drauf gekommen. Das hat sich aber tatsächlich etabliert. Wenn wir Konzerte im Dithmarscher Umkreis spielen heißt es immer:“ ahha die Kapelle aus DEATHMARSCHEN“ 🙂 . Das Shirt selber hat unser Sänger Lars entworfen.

Probenraum, eine CD-Produktion, Reisen zu Livegigs, Merch. Das alles kostet ordentlich Geld. Bekommt Ihr irgendwoher Unterstützung, womöglich von der Wacken Foundation?

Oliver: Ich möchte die Band zur neuen Scheibe gerne breiter aufstellen. Speziell zu den Dingen, die du gerade genannt hast. Die CD Produktionskosten müssen ja erst einmal von uns vorgestreckt werden und dann auch wieder rein kommen. Insofern wäre Unterstützung schon klasse. Gleiches gilt für´s Merch. Ich hab mich mit Kochi von TYSON drüber unterhalten und weiß daher, dass die Wacken Foundation da einen sehr guten Job macht. So etwas könnte ich mir auch für Casket Inc. vorstellen. Vielleicht schreibe ich Holger (Hübner) mal an 😉

Euer Sänger Lars Newe wird gerne zwischen Bon Scott und Udo Dirkschneider einsortiert. Musikalisch passt das. Euer Stil geht ein wenig in Richtung Manowar. Absicht oder Zufall? Habt ihr Vorbilder oder werden die Parallel nur hereininterpretiert?

Oliver: Zufall. Ich glaube ich bin auch der Einzige in der Band der Manowar geil findet. Die Ähnlichkeit zu Manowar kommt meiner Meinung eher von den Texten zu Songs wie „Asgards Fall“ oder „Bravehammer“, also Songs über Schlachten, aber mit deutlich weniger „Hail, Kill, Die“ 🙂 :). Ich sehe das aber trotzdem als Kompliment :). Musikalische Vorbilder haben wir viele. Kuddel kommt aus dem Punk, Lars (Newe) ist alter Thrasher, ich bin mit Speed- und Heavy Metal aufgewachsen und unser Bassist Lars ist einer der größten Iron Maiden Fan´s der Welt (nach mir 😀 😀 😀 )

Wie sehen Eure Ziele aus. Wo seht Ihr Euch in der Zukunft?

Oliver: Wir wollen auf jeden Fall ein noch stärkeres Album als „Disciples Of Doom“ herausbringen und Casket Inc. als feste Live-Größe etablieren. Ich persönlich will mit einem Instrumental das nächste Album beginnen aber da muss ich noch viel Überzeugungsarbeit innerhalb der Band leisten.

Danke nochmals, dass ihr Euch die Zeit für uns genommen habt. Möchtet Ihr auf diesem Weg noch etwas an unsere Leser loswerden?

Oliver:  vielen Dank für die Chance uns ein wenig zu präsentieren! Ich wünsche mir, dass wir alle gesund aus dieser Corona Scheiße kommen und dass die Liveszene zu alter Stärke zurück findet! Und checkt mal bitte alle die vielen großartigen Metalbands in Schleswig-Holstein! Es lohnt sich!!

Berichterstattung / PhotoCredits: Norbert Czybulka