Support your local heroes – Nach dem Aufruf, mindestens einmal im Monat einen kleinen Club, eine lokale Band oder ein Kneipenkonzert zu besuchen, habe ich dank der Corona-Pandemie und des Veranstaltungsverbotes zuerst wieder keine Idee, wie ich dies für den Monat Juni bewerkstelligen kann. Plötzlich tun sich aber viele kleine Events auf und ich entscheide mich für den Konzertstart im Autokino Heide, denn der steht unter dem gleichen Motto.

Der Konzertsommer im Autokino unter dem Funkturm in Heide wird noch Größen wie Torfrock und Thundermother beherbergen. Den Startschuß dafür dürfen auch hier Local Heroes geben. Mit PAY PANDORA und Die MUSKELSCHWEINE stehen gleich zwei überregional bekannte Bands aus Schleswig-Holstein heute auf der Bühne.

Gewitter und Regen sind angesagt an diesem Samstagabend in Dithmarschen. Demzufolge ist bei den Lokalen Helden wieder viel zu wenig los. Einzig Freunde und Bekannte wagen das Experiment Autokinokonzert. Am Eintritt liegt es jedenfalls nicht. Ganze 9,00 Euro soll das Programm nur kosten. Als wir auf das Gelände fahren, sind schon einige Autos da und wir platzieren uns auf einem guten Platz in der ersten Reihe. Dank der Corona-Lockerungen der Landesregierung hätten auch Besucher ohne Auto dem Konzert beiwohnen dürfen. Dafür wurde zwischen der Bühne und einer freigehaltenen Umfahrt sowie den Autos Boxen mit Festzeltgarnituren unter Einhaltung der Abstandsregeln aufgebaut. Hier lassen sich aber aufgrund des herannahenden Regens nur wenige nieder. Den besten Ton haben die Besucher eh im Auto, da die Musik über UKW 88,6 im Autoradio gestreamt wird. Die vorderen Besucher hören von der Bühne nur den Monitor-Ton der Musiker und werden nicht durch Boxen, wie normal, beschallt. Für kinotypische  Snacks und Dixi-Toiletten ist auf dem Gelände übrigens auch gesorgt.

Den Anfang machen pünktlich um 19:30 Uhr die Heider Lokalpatrioten PAY PANDORA. Sie spielen einen Female-Frontend-Hard-Rock. Der Regen hat die Bühne in eine gefährlich glatte Fläche verwandelt. Sängerin Chiara Tahnee Lütje klärt das Publikum zudem erst einmal auf, dass es aufgrund einer Erkrankung von Bassist Marek Brodersen eh nicht so viel Action auf der Bühne geben wird. Der Ärmste steht in seiner Ecke mit einem Verband von der Hand bis über das Schultergelenk und spielt die Show mit einer Thrombose in der Schulter. Sein Wirkungskreis ist auf einem Quadratmeter begrenzt. Drummer Tom-Ole “Tommy” Thomssen scheint es gewohnt zu sein, mit wenig Platz an seiner Schießbude auszukommen. Er sitzt am Set der Muskelschweine und hat direkt die Bühnen-Rückwand im Rücken. Thies Peters hat genug Platz, kann seine Gitarren im hinteren trockenen Bereich aufstellen. Auf der Setlist stehen neun Songs. Routiniert fangen die vier ihr Set an. Mit “Take Off”, “Good in Bad”, “I Could” und “Enemy” starten sie mit Songs aus dem aktuellen Programm. Passend zum Wetter stand jetzt eigentlich die Wacken-Hymne “Rain or Shine” auf dem Programm. Stattdessen ändern sie die Setlist und spielen “Let Me Fall”, einen brandneuen Song, den sie in der Corona-Zeit geschrieben haben. Leider haut dann bei Thies eine Röhre im Marshall-Verstärker durch. Bis dann durch die nachfolgenden Muskelschweine ein Ersatz beschafft wurde und dieser betriebsbereit ist, vergehen einige Minuten. Chiara versucht sich derweil als Entertainerin, was bleibt ihr anderes übrig. Da der Veranstalter nur 40 Minuten für den Auftritt vorgegeben hatte, bleibt nur noch Platz für den letzten Song “Banshee”.

Die MUSKELSCHWEINE: Als Heimatort haben sie Lehe, ein kleines Dorf bei Lunden in Dithmarschen, angegeben. Sie spielen eine Art Prollrock, der musikalisch ansprechend aber textlich etwas fragwürdig ist. Mit einem Intro startend, beginnen sie verhaltend. Der erste Song “Riskieren” lässt sie dann tatsächlich etwas riskieren. Die Bühne ist trocken, es wird gerockt was die kleine Bühne hergibt. Die nächsten Titel sind “Bereit”, “Das ist das Bier”, “Open Air” und “Oberkörper frei”. Auf Letzteres wird dann doch verzichtet, es hat wieder begonnen zu regnen. Die Pedals werden in den hinteren Bereich verlagert und die Bewegungsradien sind eingeschränkt. Trotzdem werden Sprungeinlagen vom Schlagzeug gemacht, die Gitarre mit der Zunge gespielt und das Publikum gut unterhalten. Bei einem Corona-Bier-Trinkwettbewerb unterliegt ein Gast und sein Auto wird mit überdimensionalen Flaggen bestückt. The Show must go on – trotz des unangenehmen Regens. Weiter geht es in der Setlist mit “Jacke”, “Attake Boom” und “Burn”. Als Zugabe haben sie “Ohrigenial” im Gepäck bevor sie mit ihrem bemalten Bundeswehr-Van eine Ehrenrunde drehen. Dabei dürfen natürlich rot brennende Bengalos nicht fehlen. Für das Bandfoto wurden die Dixis anstelle des Militär-Oldies ausgesucht. Prollig halt. Wat mut, dat mut.

Fazit: Wieder ein spaßiger Abend für wenig Geld. Die Protagonisten haben alles gegeben, die etwas über 50 Zuschauer hat es gefreut. Einziger Wehmutstropfen: Kontakte zur Band kann es natürlich nicht geben und nach dem letzten Ton wurde die Fahrzeugkolonne sofort herausgeleitet. Um 22:00 Uhr begann direkt im Anschluss die Autodisco, die neuen Gäste warteten schon …

Berichterstattung / PhotoCredits: Norbert Czybulka