Folk-Rock geht doch immer, insbesondere wenn die Band aus dem Norden kommt und TEARS FOR BEERS heißt. Tears for Beers? Die kenne ich doch irgendwoher? Ja, richtig! Nicht nur die Besucher des Wacken Open Air feiern sein Jahren zu den Speed-Folkern ab, es gab wohl kein Stadtfest, das schon einmal auf die Anwesenheit der „Folk-Helden des Nordens“ verzichtet hat.

So ist die Kultur Schusterei, ein ehemaliges Kino in Barmstedt am 11. Mai 2019, gut gefüllt. Es ist das erste Konzert der Band nach der Live-Release-Party der neuen CD The Last Ship.

Tears For Beers füllen die Bühne. Sieben Leute auf der kleinen Fläche ist eine Herausforderung. Stammhörer sind gespannt, auf der Bühne werden nicht nur neue Songs gespielt werden. Die Band hat auch neues Personal. Neben den Urgesteinen Lars Jensen (Bouzuki, Banjo, Gesang), Stephan Gerdau (Bass) und Bert Ritscher (Akkordeon) bildet Jonas Linde (Mandoline, Gitarre) seit einiger Zeit den Kern der Truppe. Bereits seit einem Jahr ist Miriam Leutzinger an der Geige dabei. Mario Wissmann am Schlagzeug ersetzt den schwer erkrankten Michael Sörensen. Neu im Team ist ebenso Joy Smith. Sängerin, Pianistin und Tochter von Mark Smith, der für den neuen Sound der Band verantwortlich zeichnet.

Mit “Old Mother Flanegan” beginnt das Konzert, wie in den letzten Jahren gewohnt. Sofort fällt der neue Stil auf. Poppig statt hartem Rock, runder voller Sound. Die Setlist des Abends ist abgestimmt auf die Neuerscheinung der CD. Altbewährtes mischt sich mit den neuen Titeln. Die Klassiker fehlen genauso wenig, wie die Ohrwürmer der CD, die zum großen Teil ja nicht neu, sondern nur im neuen Gewand produziert sind. Schließlich ist die letzte CD schon ein gefühltes Bandleben her. Drei Titel sind jedoch der neuen Sängerin geschuldet. Joy Smith beweist eine gute Stimme und bringt neuen Schwung in das alte Schema. Bei den Titeln, die die Zuschauer rasend machen, ist sie jedoch nicht beteiligt. Die Stimmung steigt bei den Traditionals “Drunken Sailor”, “Donkey Riding” oder “Sam Hall”, aber unschlagbar war jedoch Metallica´s “Nothing Else Matters” oder das Lead Belly-Cover “Black Betty”. Spätestens mit dem “Pippi Langstrumpf”-Cover gelangten Tears for Beers an diesem Abend in die Herzen der Fans im Saal.

Zwei Stunden pures Vergnügen waren es nun und sie vergingen wie im Fluge. Nur zögerlich verlassen die Zuschauer den Saal. Am Merch-Stand wechseln die neuen CDs fluchs die Besitzer. Die Band findet sich ein und signiert, was ihnen hingehalten wird. Ein paar Auftritte haben die Protagonisten noch auf dem Zettel. Wir dürfen uns auf Gigs bei der Kieler Woche, den Wikinger-Tagen in Eckernförde oder dem Baltic-Open-Air freuen. Da wird die Stimmung eskalieren, spielen sie dort doch vor einer ungleich größeren Menge als hier.

Fazit: Eine frisch klingende CD, eine spielfreudige Band, gutes Licht, freundliches Personal, ein zufriedenes Publikum, ein entspannter Veranstalter. Seit Beginn der Neunziger ist die Band meine favorisierte Folkrock-Band und wird es trotz der Stiländerung wohl auch bleiben.

Berichterstattung /  PhotoCredits: Norbert Czybulka