Ein verregneter Donnerstagabend. Auf dem Programm heute musikalisch der Beweis, dass der Rock ‘n Roll es noch lange nicht verdient hat, zu sterben. Zu hören und sicherlich auch zu sehen bekommen wir dies von THE DARKNESS und stattfinden tut das Ganze in der guten alten Markthalle Hamburg. Direkt nach der Arbeit eile ich zur besagten Location. Wie sagen die Hamburger doch so schön: Ihr Rock- und Metal-Wohnzimmer. Es ist 19:00 Uhr. Gewohnt pünktlich der Einlass und trotz langer Warteschlange auch ein zügiger Einlass. Dies ist man aber von der gut organisierten Markthalle und den freundlichen Secus nicht anders gewohnt.

Pünktlich um 20:00 Uhr steht mit DZ DEATHRAYS der heutige Support auf der Bühne. Unbekannt waren sie mir, vielen anderen im Publikum aber auch. Vor uns nun also ein Trio aus Australien. DZ DEATHRAYS spielen ein halbstündiges Set mit sieben Songs. Ihre Stilrichtung vermag ich nicht so recht einzuordnen. Vielleicht ein wenig Post-Punk. Handwerklich können die Australier einiges, doch springt der musikalische Funke nicht so recht auf das Hamburger Publikum über. Es gibt natürlich einen herzlichen Applaus, das geht in Hamburg immer und danach beginnt auch schon der Umbau für den Auftritt des Headliners.

Setlist DZ DEATHRAYS: Witchcraft Pt. II / In-To-It / Reflective Skull / Like People / Gina Works At Hearts / Shred For Summer / Ocean Exploder

THE DARKNESS: Eine Band, die ihre populärste Zeit Anfang 2000 hatte, unwahrscheinlich schnell im Fokus der Musikbranche, dem Blitzlichtgewitter und dem damit verbundenen Ruhm stand, diesem aber nicht so recht standhalten konnte. Es kam sodann zum Streit zwischen den Brüdern Hawkins und die Band löste sich auf. Ein Jeder versuchte in eigenen, neuen Projekten Fuß zu fassen, aber nichts war einfach so, wie seinerzeit bei THE DARKNESS – die Magie war fort. Im Jahre 2011 reichten Justin und Dan Hawkins einander die Hand und verschwanden mit Frankie Poullain und Drummer Ed Graham im Studio. 2012 trug diese Zusammenkunft dann erneut Früchte und das Album “Hot Cakes” wurde veröffentlicht. Es folgten 2015 und 2017 zwei weitere Alben, nämlich “Last Of Our Kind” und “Pinewood Smile”. Der Erfolg war zurück und mit Rufus “Tiger” Taylor kam dann im Jahre 2014 auch noch ein großartiger Drummer ins Quartett und ersetzte Ed Graham.

Im Herbst vergangenen Jahres erschien dann das sechste Studioalbum “Easter Is Cancelled“. Ein neues Album schreit ja bekanntlich immer nach einer Tournee und so geschah es.  Bevor die Briten nun in die Hansestadt kamen, waren sie bereits in Madrid, Wien, Mailand, Zürich, Oslo, Stockholm und Göteburg, um hier nur einige Haltestellen aufzuführen

Pünktlich um 21:00 Uhr ging dann endlich das Licht aus und die Bühne hüllte sich in Dunkelblau. Weiß gekleidet treten die vier Musiker auf die Bühne, ernten tosenden Applaus und beginnen gleich mit Rock And Roll Deserves To Die, dem ersten Track des aktuellen Albums “Easter is Cancelled”. Der erste Teil des Konzertes wird ausschließlich dem neuesten Werk gewidmet. Es folgen somit weitere Songs, wie beispielsweise Live Till I DieHeart Explodes oder aber Easter is Cancelled. Frontmann Justin Hawkins zeigt sich gut gelaunt mit wahren Entertainer-Qualitäten. Der Rest der Band steht eher in seinem Schatten, liefert aber qualitativ großartig ab. Das Publikum war ein anderes als man es sonst von einem Rock- bzw. Metalkonzert gewohnt ist. Oftmals hatte man den Eindruck, Väter begleiten ihre Töchter und auch die gut gestylte Damenwelt war anwesend. Die Hardrock-Fraktion jedoch fehlte. We Are The Guitar Men beendet sodann den ersten Teil des Abends, bevor es weiter geht mit dem zweiten Teil, der ein Querschnitt der älteren Alben von THE DARKNESS werden soll.

Nach einer klitzekleinen Pause kommen die vier Musiker erneut auf die Bühne, allerdings in anderen Outfits als zuvor. Diesmal sehen wir Justin Hawkins in einem hautengen, rot glitzernden Jumpsuit. Sein Bruder Dan Hawkins hat sich eine schwarze Lederjacke angezogen und Frankie eine Art Kimono-Jacke übergeworfen. Das Outfit läutet eindeutig die Zeitreise durch die Bandgeschichte ein. Es folgen Klassiker, wie One Way Ticket, Solid Gold oder aber Love Is Only A Feeling. Als Zugabe gibt es dann noch zwei Songs, einer davon ist natürlich I Believe In A Thing Called Love. Das Hamburger Publikum singt textsicher und lauthals mit. Nach eineinhalb Stunden verlässt die Band die Bühne unter tosendem Applaus. Ein wirklich lohnenswertes Konzert ist zu Ende, ein zufriedenes Publikum verlässt den Saal.

Setlist THE DARKNESS: Rock and Roll Deserves To Die / How Can I Lose Your Love / Live Till I Die / Heart Explodes / Deck Chair / Easter Is Cancelled / Heavy Metal Lover / In Another Life / Choke On It / We Are The Guitar Men / One Way Ticket / Barbarian / Growing On Me/ / Japanese Prisoner Of Love / Love Is Only A Feeling / Solid Gold / Givin‘ Up / Street Spirit (Cover Radiohead) / Get Your Hands Off My Woman / Zugabe: Black Shuck / I Believe In A Thing Called Love

Mein abschließendes Fazit: Vor uns auf der Bühne standen vier großartige Musiker, die mitnahmen auf eine Reise durch ihre Song-Landschaft. Es war bunt, es war rockend und das Ganze untermalt mit viel Glamour. Allerdings vermisste ich persönlich ein wenig den Rotz des Rock ‘n Roll. Irgendwie fühlte ich mich an diesem Abend nicht so wirklich wohl auf einem Konzert einer Hardrock-Band. 950 Besucher fanden jedoch den Weg in die Location, hatten sichtlich Spaß und schunkelten fast eineinhalb Stunden lang mit den Armen in der Luft von rechts nach links. Man feierte die Band wie nichts Gutes. THE DARKNESS beschreiten sichtlich einen neuen Weg, der sich auch im Publikum widerspiegelt. Der Ticketpreis lag bei 41,95 Euro im Vorverkauf und 43,00 Euro an der Abendkasse. Ein Tour-Shirt kostete 30,00 Euro und die CD, die man im Internet für 15,99 Euro bekommen kann, gab es hier vor Ort für 20,00 Euro. Letzteres kenne ich für gewöhnlich anders herum.

Des weiteren frage ich mich, warum man acht Fotografen zu diesem Konzert akkreditiert und diese dann nicht aus dem vorhandenen Pit ihre Arbeit machen lässt. Dies war auch Frontmann Justin Hawkins ein Rätsel und er meinte, Hamburg sei ja immer etwas speziell. Bei allen weiteren Konzerten auf der Tour von THE DARKNESS waren die üblichen drei Songs aus dem Fotograben möglich, in Hamburg allerdings nicht. Als Magazine mit Schwerpunkt der Konzertfotografie ist die Galerie zu diesem Bericht dann eher schmal ausgefallen, da zu viele Mobiltelefone, mit denen die Besucher pausenlos filmten und Fotos machten die Sicht versperrten. Wir entschuldigen uns hierfür bei unseren Lesern, denn normalerweise seid Ihr andere Impressionen von uns gewohnt. Den Fotografen gegenüber fand ich solch eine Aktion eher respektlos, denn schließlich sind sie es, die Euer Konzerterlebnis in professioneller Art und Weise festhalten.

Berichterstattung / PhotoCredits: Stefanie Preuß