Heute schwenken wir einmal unser Augenmerk auf Baden-Württemberg, denn dort sind die Musiker der Band UNDERTOW zu Hause. Im Gespräch bin ich heute mit Joachim Baschin, dem Frontmann bzw. Sänger von UNDERTOW.

Hallo Joachim, endlich habe ich es einmal geschafft, mich Euch zu widmen. Geplant war ja eigentlich, dass wir uns bei Eurem Auftritt im Mai diesen Jahres im Hamburger Bambi Galore sehen werden, aber das wurde ja aus bekannten Gründen nichts. Vorab erst einmal: Geht es Euch innerhalb der Band inkl. Eurer Familien derzeit soweit gesundheitlich gut?

Hallo Stefanie! Ja, auf das Hamburg City Doom hatten wir uns sehr gefreut. Leider sind ja die gesamten Konzerte bis Ende August ausgefallen. Es waren einige Festivals geplant. Die meisten jedoch haben uns fürs nächste Jahr wieder zugesagt.

Privat geht’s uns allen ganz gut. Danke der Nachfrage.

Euch gibt es bereits seit 1993. 27 Jahre – das ist schon eine lange Zeit. Bisher immer in gleicher Besetzung? Genremäßig seid Ihr wo angesiedelt? Welche Bands haben Euch inspiriert? Als ich den Song „In Deepest Silence“ hörte, in den ich auch sofort verschossen war, musste ich unmittelbar an Crowbar denken.

Der erste Drummer, Christof Eberhardt war bis zum Jahr 1999 in der Band. Er ist auf den Demos und der ersten offiziellen Undertow Scheibe „Harm on E“zu hören. Dann kam Oliver „Kuddel“ Rieger für ihn und blieb bis Anfang 2004. Er spielte in dieser Zeit die Platten „Unit E“ und „34ce“ ein. Als er seinen Ausstieg verkündete fanden wir einen geeigneten Mann in Rainer Pflanz, der für „Milgram“ und „Don´t Pray To The Ashes“ in die Felle drosch. Aus beruflichen und zeitlichen Gründen quittierte Rainer jedoch 2010 den Dienst und unser alter Weggefährte Kuddel kam wieder in die Band und blieb. Tom und ich waren 23 Jahre zusammen in der Band, bevor er dann Ende 2016 die Band verlassen hat. Für ihn kam Andreas Hund am Bass.

Schön, dass Dir IN DEEPEST SILENCE gefällt. Ja, der Crowbar Vergleich kommt immer wieder, jedoch unterscheiden wir uns mittlerweile recht deutlich von ihnen, finde ich. Haben unsere eigene kleine Nische gefunden. Ich würde unseren Stil als Thrash/Doom definieren. Der Stil ist schwierig zu bezeichnen, da auf jeder Platte schnellere, aber auch sehr langsame Songs der härteren Gangart vorhanden sind. Jedoch immer mit viel Melodie.

Wie seid Ihr auf den Namen UNDERTOW gekommen? Als ich mit meiner Recherche im Internet unterwegs war, fiel ich auch über einige namensgleiche Bandprojekte. Oder liegt der Ursprung gar im Song „Undertow“ von Tool?

Das hatte damals tatsächlich was mit Tool und deren Titel UNDERTOW zu tun. Fanden wir einfach klasse. Dazu sollte unsere Musik eine Sog-Wirkung haben, was der Name auch ausdrückt.

Über Dich bzw. UNDERTOW bin ich „gestolpert“ durch das Soloprojekt von HAMPEZ, dem ehemaligen Bassisten der Band END OF GREEN. Auf diesem Album bist Du in dem Song „Deine Schwächen“ musikalisch mit eingebunden. Auch gibt es von Euch wiederum den Song „Empire“ mit Michelle Darkness (ebenfalls END OF GREEN). Und nun ist Euer Bassist, der Andreas, auch gleichzeitig als Bassist mit END OF GREEN unterwegs. Wie kommt es zu diesem doch irgendwie „dauerhaften“ Kontakt?

Ach je, EOG kennen wir schon seit Mitte der 90er Jahre und es ist die Band mit der wir die meisten Gigs zusammen gespielt haben. Dazu kommt, dass ich schon immer ein riesiger EOG Fan war seit der ersten Platte. Dann waren wir auf dem gleichen Label SUB ZERO RECORDS und Michelle produzierte an der 2002er Scheibe UNIT E von uns mit und sang da auch schon als Gastsänger bei dem Song SLOPE. Danach wechselten wir gemeinsam zu Silverdust Records und gingen mehrmals gemeinsam auf Tour. Wir kommen einfach schon immer bestens miteinander zurecht und uns verbindet eine sehr gute Freundschaft. Somit ist es für uns überhaupt kein Problem, dass Andreas nun auch bei ihnen zockt. Keep it in the Familiy!

Und bei DEINE SCHWÄCHEN auf der Solo-Platte von HAMPEZ singen zu dürfen, war natürlich klasse und freute mich wirklich total !

Ihr ward 2014 auf dem Summer Breeze. Gab es noch mehr Festivals auf denen Ihr gespielt habt? Ich meine im letzten Jahr ward Ihr auch noch auf dem Nord Open Air in Essen.

Auf dem Breeze haben wir, meine ich, ganze sieben Mal mit UNDERTOW gespielt und einmal mit unserem damaligen Side-Projekt HOTROD MAYHEM.

Weitere Festivals mit UNDERTOW waren z.B. das Rockharz, Metal Camp bzw. Metal Days in Slowenien, Rock am Härtsfeldsee und viele kleinere Festivals in all den Jahren, wie z.B. Sunstorm, Up From The Ground, Sundown, Riedfest usw.

Grundsätzlich seid Ihr aber mehr in den südlichen Gefilden unterwegs, wie ich sehe. Von daher war ich total happy gewesen, Euch eigentlich im Mai diesen Jahres in Hamburg anzutreffen. Warum so selten im Norden? Und wieviel Gigs spielt Ihr durchschnittlich pro Jahr?

Wir waren eigentlich nur in den letzten 10 Jahren nicht mehr so oft im Norden unterwegs, davor schon. Wir spielten relativ oft in Hamburg oder Oldenburg, Emden, Hannover, Salzgitter und Braunschweig.

Allerdings muss ich schon auch sagen, dass wenn wir dann für 150,00 EUR Festgage, z.B. in Osnabrück spielen sollen, dies eine unglaubliche Frechheit einer Band gegenüber ist, die seit über 25 Jahren unterwegs ist, 8 Alben und eine gute Fanbase hat und eh schon immer darauf bedacht war, die Gage nur möglichst kostendeckend zu halten. Dies ist schon auch ein Grund warum wir die Strapazen der langen Fahrten mit solchen Angeboten eher nicht mehr wahrgenommen haben.

Wir schauen derzeit, dass wir im Jahr möglich 1-2 Konzerte pro Monat hinbekommen und wenn natürlich eine geeignete Tour ansteht, sind dann auch mal mehr.

Acht Alben habt Ihr in Eurer doch sehr langen musikalischen Laufbahn geschaffen. Steht irgendwann ein neues Album auf dem Plan?

Klar, wir sind grad voll im Sonwriting Modus, werden Anfang des nächsten Jahres ins Studio gehen und wollen wieder über El Puerto Records Mitte 2021 die neue Scheibe veröffentlichen.

Mit welchen namenhaften Bands ward Ihr schon unterwegs? Gab es da schon einmal Toursupports? Irgendwelche Wünsche, mit wem Ihr zu gerne noch einmal zusammen die Bühne teilen möchtet?

Klar, wir waren mehrmals als Support von Crowbar unterwegs, tourten mehrmals mit End Of Green und weitere Supporttouren mit PistOn und Hackneyed, nicht zu vergessen die zweiwöchige Europatour mit Pro Pain. Leider mussten wir das Tourangebot mit Ektomorf letztes Jahr aus privaten Gründen absagen.

Ach, Wünsche mit wem ich gerne noch die Bühne teilen würde habe ich viele und meine Jungs sicher auch, aber ich persönlich hatte schon das große Glück mit vielen meiner Helden zusammen zu spielen. Ich bzw. wir freuen uns über alles was kommt, neue Bands, alte Bands der Szene, wir werden hoffentlich noch mit vielen Bands zusammen spielen, die wir cool finden.

In Eurer Biografie bei Facebook finde ich den Satz „Und auch nach mittlerweile über 25 Jahren ist bei UNDERTOW die Motivation und der Ehrgeiz, die Liebe zu ihrer Musik und der Spaß dabei ungebrochen“. Im Grunde sehe ich es so, dass Ihr Eure Musik auslebt, ohne den großen kommerziellen Pfad aufnehmen zu wollen. Einfach ab und an spielen, dort wo es machbar ist. Sehe ich das richtig? Oder würdet Ihr gerne mehr UNDERTOW zeigen bzw. leben?

Das habe ich schon öfter gehört und war mir dessen gar nicht wirklich bewusst. Ich wollte eigentlich schon immer etwas mehr Gas geben bzw. das Level zu „Don´t Pray To The Ashes“ Zeiten mit ca. 40 Konzerten im Jahr halten, jedoch spielten bei uns auch immer wieder kleinere oder größere Stolpersteine eine Rolle, die uns daran hinderten, mehr Zeit für die Musik investieren zu können.

Aber der oben genannte Satz soll einfach ausdrücken, dass wir auch nach dieser langen Zeit immer noch mächtig Bock haben, etwas zu reißen und unsere Musik zu präsentieren, soviel und so oft es geht !

Ihr habt u.a. mit UNDERTOW „unplugged“ Konzerte gespielt. So auch beim Summer Breeze im Jahre 2016. Ich sah auch im vergangenen Jahr einen Videomitschnitt eines Unplugged-Konzertes von Euch und war hellauf begeistert. Kommt in dieser Form unwahrscheinlich gut rüber. Könntet Ihr Euch vorstellen, das öfter zu machen?

Das freut mich, wenn es Dir gefällt. Ja, wir sind öfter mal unplugged unterwegs. Am liebsten mit unseren Freunden von – und da sind SIE wieder – DARKNESS, BLACKSMITH & KERKER. Das nächste Mal am 24.10.2020 im Rittergut in Stetten ob Lontal, wenn … ja wenn Corona es zulässt.

Nun die Frage der Fragen, die wir fast allen Bands / Musikern derzeit stellen und die irgendwie auch unumgänglich ist: Was macht Ihr als Band in Zeiten der Pandemie? Ihr hattet ja einige Gigs für 2020 auf der Uhr, die gesamt wegbrachen. Probt Ihr weiter und wollt Ihr – wie andere Bands auch – vielleicht einmal ein Konzert streamen?

Ja, natürlich nutzen wir die Zeit zum Songwriting und regelmäßigem Proben. Wir werden auch bald für ein paar Vorabaufnahmen ins Studio gehen. Was ein Konzert zu streamen angeht, lasst Euch überraschen … !

Viele Bands haben derzeit finanzielle Einbrüche und kein Ende des Stillstandes im Musikbereich ist in Sicht. Wie sieht das bei Euch aus?

Wir haben das Glück durch unsere Jobs nicht finanziell von der Band abhängig zu sein. Allerdings fallen trotzdem natürlich geplante Einnahmen weg, mit denen wir gerechnet haben, um eben auch Merch oder gemeinsam zu nutzendes Material für den Proberaum vorzufinanzieren.

Und zu guter Letzt: Können wir uns auf UNDERTOW live 2021 schon freuen? Stehen da schon Termine oder sagt Ihr erst einmal, wir schauen, wie sich all das entwickelt und wie man wieder im kommenden Jahr kann und darf?

Man kann natürlich mit UNDERTOW auch im Jahr 2021 rechnen, da wir die neue Scheibe an den Start bringen wollen und weiterhin Gas geben wollen, nicht zuletzt weil es uns unglaublich viel Freude bereitet live zu spielen und mit den Fans gemeinsam zu feiern. Klar, muss man mit Allem rechnen was die Covid-Krise betrifft, aber wir sind zuversichtlich und schauen nach vorne

Joschi (ich glaub so nennen Dich alle), diesmal war es nur virtuell, im kommenden Jahr schaffen wir beide es hoffentlich, uns endlich einmal bei einem Bierchen auf einem Eurer Konzerte zu treffen. Ich danke Dir für Deine Zeit und wünsche vor allem Euch allen beste Gesundheit weiterhin!

Ja, das würde mich bzw. uns sehr freuen. Vielen Dank für dieses Interview, es hat mich sehr gefreut, bleib gesund und alles Gute ! Auf bald, Cheers

Durch das Interview führte: Stefanie Preuß (Herausgeberin / Chefredakteurin u. Fotografin)