Zum zweiten Male lud die Kieler Band Wolf Barsch zur maritimen Weihnachtsfeier in die Räucherei in Kiel-Gaarden. Bei freiem Eintritt und musikalischen Gästen aus ihrem Freundeskreis feierten knapp 300 Gäste zusammen mit den Bands bis in die Morgenstunden. Alleine das vierstündige musikalische Programm machte den Abend zu einem absoluten Erlebnis.

Los geht es pünktlich um 20:00 Uhr. “Maschine” (Andreas Pooch) alias Maat Schiene eröffnet als Entertainer das Programm. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Zwei seiner Mitmusiker der Band Das Beben spielen ebenfalls bei Wolf Barsch. Zur Unterstützung hat er sich Monsieur Bernie mitgebracht. Ein Chanson geht natürlich mit diesen beiden immer.

Weiter im Programm geht es nun mit Svennä und Morales, die sich zur Soundverbesserung einen Schlagzeuger mitgebracht haben. Während des Auftrittes holen sich die beiden noch eine weitere Unterstützung auf die Bühne. Allerdings wird erst einmal live ein Wohnzimmerkonzert der beiden Musiker verlost. Hierfür konnten sich Freunde und Fans auf deren Facebook-Seite schon vorab bewerben. Die nicht gezogenen Rassel-Eier werden in der Menge als Mitmach-Instrument verteilt. Hierbei wird fast ein Scheinwerfer von der Decke geholt. Passiert ist allerdings nichts, es senkt sich lediglich unter lautem Gelächter eine fette Staubwolke auf die darunter stehenden Gäste. Die Glücksfee Iris bleibt sogleich als Background-Sängerin auf der Bühne. Als Quartett kommt der Sound richtig gut an. Die Musikrichtung der Ascheberger ist ein Gemisch aus Singer-Songwriter, Liedermacher und Straßenmusik. Auf jeden Fall mit jeder Menge Spaß – und dies merkt man deutlich am Stimmungsbarometer des Publikums.

Die Räucherei ist mittlerweile schon richtig gut gefüllt, als der nächste Act von Maschine angekündigt wird. Anchor in Ink sind sechs Männer aus Kiel. Maritimer Folk-Rock ist ihr Metier. Sie singen in Englisch. Ihre Texte handeln u.a. vom Meer, von richtigen Typen, von Kneipen, von Saufgelagen. Sie singen weiter von verpassten Chancen, dem Aufbäumen dagegen und erzählen verworrene Geschichten von verirrten Gestalten. Ihre Songs rumpeln und schwanken wie ein betrunkener Seemann nach langer Fahrt, der gleichzeitig das Rauschen der Wellen und den Kneipenlärm aus Rosi’s Bar im Ohr hat. Ein Auftritt der schwer in die Beine geht. Vor allem aber stechen die eigenen Songs aus dem neuen Album „Death & Salt“. Frontmann, Matthias Busch, mit seinen wahren Entertainment-Qualitäten, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt, und seine Instrumentalisierung, die außergewöhnlich ist (E-Bass mit Bogen) und Gitarrist und Songwriter Oliver Klein, der mit seiner tief in die Stirn gezogenen Mütze aussieht, wie der Obermaschinist Johann aus dem Film “Das Boot” und auch wirklich keiner Pose aus dem Weg geht.

Die Bühne ist mittlerweile schon biergetränkt und übersät mit Maschine’s Konfetti, als es zum letzten Show-Act des Abends übergeht. Die Gastgeber Wolf Barsch eröffnen wie immer mit dem Klassiker “Wir lagen vor Madagaskar” und die Gäste sind sofort eingenordet. Nix Shanty und Schunkelchor! Hier wird Hardrock gespielt! Launige Texte mit hintergründigem Witz, gerne auch mal in fremde Melodien verpackt. Melodien über Heimweh nach der Ferne, Hafenbräute, Seebären, Fischer, Leichtmatrosen, Meerjungfrauen und Piraten. Bereits der zweite Song wird von vielen im Publikum erwartet. “Die Fischer”, ein Remake auf Kraftwerks “Das Model” – die Menge tobt. Beim Song “Bärte” sind auch die letzten Besucher wachgerüttelt und singen lauthals mit: “Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren: Jan, Hein, Klaas und Pit …” – und die haben Bärte.

Aber auch die eigenen Songs werden bestens mitgesungen. “Blauort” beispielsweise, der Fischerkutter auf dem die Jungs von Laboe aus den Dorsch reduzieren, einen Stonsdorfer in allen Ehren. Oder als Zugabe, die oft gewünschte Hommage auf “Martina Navratilova”, mit dem die Kieler Mannen auch überregional bekannt geworden sind.

Eine Wahnsinns-Party, die es so nur bei uns an der Küste in dieser Art und Weise geben kann, ist dann aber leider vorbei. Nach einem Absacker an der Theke geht es für mich nach Hause.

Hoffentlich auf ein Wiedersehen bei der “Weihnachtsfeier Wolf Barsch 3.0” – kurz vor Weihnachten 2020!

Berichterstattung / PhotoCredits: Norbert Czybulka